Der Artikelzauberer

Bei meiner Recherche zum fiverr-Beitrag bin ich auf einige Dinge gestoßen, die ich mir genauer anschauen wollte. Unter anderem habe ich Profile von Personen entdeckt, die in wenigen Wochen oder Tagen bis zu hunderte Artikel auf Bestellung abliefern können. Wenn ich bedenke wie viel Zeit man wirklich zum Schreiben benötigt, sind selbst Profis mit dieser Anzahl überfordert. Recherche, vorgegebener Platz, Intension, Fehlerkorrektur. Das benötigt Zeit. Qualität bei Massenproduktion von Artikeln kann kaum funktionieren. Die geringe Entlohnung wäre irgendwann noch geringer. Also wollte ich wissen, wie ich meinen Blog mit unendlich vielen Artikeln und Beiträgen fluten kann ohne wirklich schreiben zu müssen. Immerhin hat allein dieser Beitrag hier über 30 Euro Kosten und ungelogen ca. 10 Stunden Recherchen, Tests und Schreibarbeit verschluckt und wurde in der Zeit 14 Mal überarbeitet.

Nehmen wir mal ein Beispiel. Auf REUTERS findet Ihr diesen Artikel: Matchmaker Merkel seeks awkward three-way embrace. Nehmen wir die Einleitung, Zitat: BERLIN (Reuters) – German Chancellor Angela Merkel opened what promised to be marathon coalition talks on Friday, hoping to bring three opposing political camps into a stable government despite signs there would be less money to paper over differences. Wenn ich nun einen ähnlichen Artikel haben will, weil ich so voll geil aktuelle Nachrichten verbreiten möchte, könnte ich die Nachricht klauen und umformen. Beispiel: BERLIN (kowaNEWS) – German Chancellor Angela Merkel opened what promised to be marathon coalition talks on Friday, hoping to deliver three opposing political camps into a sturdy executive despite signals there can be less cash to paper over adjustments. Ich habe einfach ein paar Wörter ausgetauscht. Natürlich könnte man noch mehr austauschen und ändern, aber als Beispiel soll es uns genügen.

Einen mehrseitigen Beitrag umzuformen, benötigt natürlich auch Zeit. Also müssen wir das beschleunigen. Dafür nutzen wir das exklusive Werkzeug: Der Artikelzauberer.

Wir geben hier ein paar englische Schlüsselwörter ein, wählen die englische Sprache, entscheiden uns dafür einen Original zu erhalten und wählen noch die Anzahl 3 für auszuwerfende Artikel aus.

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Das Script sucht nun mit Hilfe von Suchmaschinen oder anderer voreingestellter Webseiten entsprechend meiner Schlüsselwörter nach Artikeln. Entweder sie werden im Original ausgeworfen oder wie oben beispielhaft dargestellt in veränderter Form. Mit Hilfe einer Datei in der tausende einzelne Wörter und Formulierungen gelistet sind, werden einzelne Teile des Originals durch gleichbedeutende Vokabeln ausgetauscht. Herzlichen Glückwunsch. Diese Änderungen und andere Sprachen gehen natürlich beim Artikelzauberer nur mit einen Zauberspruch. Den könnte ich Euch verkaufen. Coole Geschäftsidee, oder? So könntet Ihr Euch Ideen suchen, gleich Ergebnisse abfragen und Euch ein Plagiat schreiben lassen. All die schönen Webseiten mit recherchierten Nachrichten, Anleitungen, Meinungen oder Sachberichten machen die Arbeit für Euch. Ihr profitiert. Macht niemand? Wo denkt Ihr hin. Natürlich.

Der Artikelzauberer ist nur ein Kowabit-eigener Test zur Recherche dieses Beitrages. Testen könnt Ihr ihn unter: https://artikelzauberer.kowabit.de ! Natürlich nur die englische Version ohne Plagiatmöglichkeit. ;)

Die richtigen Riesen in diesem Geschäft sind andere. Beispielsweise Articoolo oder ein mir bekannt vorkommender Anbieter wie Articlegenerator oder ArticleGeneratorPro oder seocrop. Seocrop und andere Anbieter auch, bieten bspw. einen reinen Re-Write-Service. Nehmt einfach mal meinen zum fiverr-Beitrag genutzten Artikel Internet and religion. Nutzt den Artikelumschreiber auf seocrop (hier) und ändert ihn ab. Wer kann Euch was vorwerfen? Niemals würde ich herausfinden, dass Ihr was von mir geklaut habt.

Statt Online-Service zu nutzen, könnt Ihr das ganze aber auch mit einer lokal arbeitenden Software machen. Ich habe mal die Testversion von http://www.seoarticlegenerator.com/ genutzt.

Geil, oder? Wenn man die Webseiten besucht, wird man an diese Diskussion erinnert ob Roboter oder Computer bald Journalisten ersetzen. Beispielbeiträge gibt es genug (bei der FAZ, bei Marktding, in der Sueddeutschen). Selbst Artikel über den Anbieter Articoolo scheinen den Glauben zu erwecken, dass Algorithmen Artikel schreiben. Ist aber Bullshit. Die erstellen alle Plagiate aus vorhandenen Datenquellen (siehe Artikel zu Articoolo). Einer ist am Ende nur besser als das Original, oder besser als man es sich zu wünschen erträumt. Es sind und bleiben Plagiate.

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Das Problem daran ist natürlich, dass der wirkliche Urheber kaum zurückverfolgen kann ob irgendwer seine Arbeiten übernommen hat. Und ich bin der festen Überzeugung, dass es bei vielen belanglosen Artikeln, sei es nun über fiverr oder über Ghostwriteragenturen, genau so läuft. Plagiate, Plagiate, Plagiate.

Bei meinen Überlegungen dazu habe ich mich an den Konflikt VG-Wort und Google erinnert. Ihr wisst schon, diese Sache mit dem Urheberrecht bzw. Leistungsschutzrecht. VG-Wort und einige Medien verlangen von Google ein bisschen Moneten, um für den angeblichen Missbrauch Googles mit den Inhalten der Medien Geld zu verdienen, etwas entlohnt zu werden. Leser von hier und da und ich wissen, dass Google dafür nicht verantwortlich ist. Wer seine Inhalte schützen will, kann das per Paywall oder per NOINDEX und NOFOLLOW erreichen. Endgültig geschützt ist der Anbieter aber auch dann nicht. Wer Inhalte bezahlt und darauf zugreifen kann, hat zumindest per Copy & Paste die Möglichkeit einen Re-Write durchzuführen. Wenn ich mir die Möglichkeiten anschaue, die ich hier getestet und vorgestellt habe, sollten VG-Wort und andere Medien sich vielleicht mal um andere Anbieter kümmern.

Fazit: Es ist einfacher als geglaubt die Arbeit Anderer zu übernehmen, umzuformen und als seinen eigenen Inhalt anzubieten. Selbst Algorithmen bzw. Scripte verarbeiten nur Informationen die bereits da sind. Sie können nicht recherchieren und kombinieren. Der Einsatz derartiger Software würde nur dazu führen, dass Medien Pressemitteilungen nachplappern, aber nicht hinterfragen oder auch mal Skandale, Fehler oder Falschaussagen aufdecken.

Spätestens wenn Zeitungen diese Technik einsetzen und sei es nur um Sport- oder Börsenergebnisse in Satzform automatisiert zu veröffentlichen, sollte man sein Abo kündigen.

 

Dir hat der Beitrag gefallen? Wie wäre es mit einer Unterstützung? Spende? Der Beitrag, die Tests und das Script haben mich insgesamt ca. 35 € gekostet.

3 Kommentare Der Artikelzauberer

  1. B. Trüger

    Hmmm, kommt mir bekannt vor.
    Habe ich um 1980 schon so gehalten: Statt zur Buchbesprechung mühsam das Buch zu lesen lieber die Rezensionen und Excerpte umformuliert und vermixt.

    Gab immer ne 1 :D

  2. Alexander

    Ja, das ist leider so, dass du jeden Beitrag einfach so umschreiben kannst. Schlimm wird des dann, wenn dieser umgeschriebene Artikel dann noch besser rankt als deiner, oder noch schlimmer, dein Artikel als Plagiat eingestuft wird.

    1. Felix

      Auch hierzu gibt es ein Beispiel aus der Schule. Es gab rhetorisch unheimlich gute Schüler, die bei einer Buchbesprechung aus 5 Schlagworten eines strebsamen Buchlesers eine überzeugende Argumentation aufbauen und den Lehrer damit tatsächlich überzeugen konnten. Und das ohne das Buch gelesen zu haben.

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