DarkNet-Recherche – ClearNet vs. DarkNet

In den letzten Wochen machten Schlagzeilen über eine große kinderpornografische Webseite im DarkNet die Runde. Elysium. Der Name war mir bisher nicht bekannt. Dort wo ich mich herumgetrieben habe, spielte sie nie eine Rolle. Ich habe mich auch nicht um derartige Markennamen gekümmert, sondern bin dem alltäglichen Wahnsinn gefolgt.

Jetzt bietet es sich aber an eine Geschichte vorzuziehen, die ich bereits fertig hatte.

Was finden wir im DarkNet und was davon findet täglich im ClearNet statt. Also im ganz normalen Internet. Dort, wo wir uns täglich ohne TOR oder ohne VPN bewegen können und einfach nur unseren Interessen nachgehen. Dem Teil des Internet, dessen Nutzung uns nicht gleich in eine Ecke stellt.

Es hat sich gezeigt, dass das DarkNet nur eine weitere Eskalationsstufe ist. Im ClearNet findet alles genauso statt. Während man im DarkNet durch TOR maskiert unterwegs ist, maskiert sich der Nutzer im ClearNet durch Worte, Namen und geschickte Oberflächlichkeiten. Am Ende geht es aber immer um das Gleiche: Sex, Missbrauch, geheime Fantasien.

Als erstes öffnen wir eine Websuche von Google. Es kann interessant sein verschiedene Länderkennungen zu nutzen. Bspw. google.ru, google.de, google.li, google.ch oder google.at, wenn man im deutschsprachigen Raum bleiben will oder gefilterte Ergebnisse umgehen möchte.

Als Suchparameter geben wir ein: sex chat deutsch. Das deutsch kann man auch weglassen und erhält ebenfalls Vorschläge die getestet werden können. Worte wie free oder kostenlos bieten sich ebenfalls an. Man muss eine Weile klicken und probieren.

Alle Suchergebnisse die zu Cam-Angeboten führen, werden ignoriert. Auch kommerzielle Angebote für die man Geld zahlen muss. Der Nutzer im ClearNet hinterlässt bereits genug Spuren. Da muss man nicht noch Finanzdaten hinterlassen.

Grundsätzlich habe ich keine illegale Seite geöffnet. Alles frei zugänglich. Wie in meiner DarkNet-Recherche wurde mein Browser manipuliert, und ich habe keinerlei Mediendaten geladen (Bilder, Videos). Manche Chats liefen dadurch nicht, dann musste man weiter suchen. Hat auch lange genug gedauert, diese Arbeit.

Ich habe einige Seiten aufgerufen. Manchmal mit Anmeldung, manchmal ohne große Registrierungsschritte. Es war vollkommen egal welche Seiten ich aufrief. Alle boten die entsprechenden Ergebnisse. Mal mehr, mal weniger. Es war auch egal ob es Chats waren, die nicht dem deutschsprachigen Raum zugeordnet sind. Überall das gleiche Bild.
Überall habe ich gefunden was ich gesucht habe. Kommunikationspartner, die, wenn man einige Minuten mit ihnen verbracht hat, eindeutige Absichten hatten. Wenn man im DarkNet auf bestimmte Seiten geht, weiß man was dort getrieben wird. Im ClearNet muss man erst mit den Leuten warm werden. Aber auch das geht schneller als gedacht.

Die grundlegendsten Interessen lagen natürlich erstmal im Austausch von Fantasien per normalem Textchat. Es scheint vielen Leuten tatäschlich viel zu geben entsprechend per Text animiert werden zu wollen. Obwohl die meisten angegeben hatten einen Partner oder Familie zu haben, scheint es sie nicht auszufüllen. So suchen sie Halt in Internetchats oder wollen fehlende Fantasien dort ausleben. Verbalerotiker, die die Grenzen nicht überschreiten würden. Aber manchmal eben auch davor nicht zurückschrecken.

Da mich aber nicht der normale erotische Austausch interessiert hat, musste ich manchmal auch einfach nur warten und beobachten. Ich wollte das finden, was in letzter Konsequenz der Umsetzung direkt ins Gefängnis führen sollte.

Man kann relativ schnell Codewörter und Abkürzungen feststellen, die Chat übergreifend genutzt werden. Chats mit fester Registrierung sind da weniger flexibel und die Leute mit gewissen Interessen seltener zu finden als in Chats wo man bei jedem Einloggen einen neuen Namen erstellen kann. Aber man findet alles und jeden auch im ClearNet. Egal welche Seiten.

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Hierbei spielte die Herkunft der Chatpartners keine Rolle. Egal welches Land. Auch das Geschlecht des Chatpartners war unwichtig. Überraschend mehr Frauen waren auf der Anbieterseite. Mehr Männer auf der Konsumentenseite. Man musste selbst nicht einmal großartig aktiv sein. Eine passive Rolle ist ausreichend, um genug zu erfahren. Ein provokanter Name ist hilfreich. Natürlich ist es immer möglich gewesen, dass der Chatpartner nur ein Spinner war. Aber wenn man zeitintensiv gelesen und verfolgt hat, umso wahrscheinlicher wurde das Angebot auf reale Treffen, Termine und Events. Da ich kein Ermittler bin, endete natürlich die Verfolgung dieses Themas bereits dort, wo am Ende nichts bewiesen ist: Im Chat. Einige Leute reizen das Mögliche aus. Werden sich immer damit herausreden nur Verbalerotik zu betreiben. Ohne reale Überführung, die bereits Opfer hinterlässt, werden auch Strafverfolger an ihre Grenzen stoßen. Realweltkontakte hätte ich nie wahrgenommen. Das ist Aufgabe anderer Leute. Trotzdem kann ich nicht ausschließen, dass es völlig normal ist und bei uns im Land öfter passiert, als man es wahrhaben will. Für mich bleibt die Frage, ob Ermittler eher die Realweltkontakte verfolgen sollten, statt Tauschbörsen im DarkNet trocken zu legen. Wäre Ermittlung im ClearNet nicht die bessere Vorgehensweise? Material für das DarkNet entsteht in der realen Welt. Was nützen die ertappten Konsumenten, wenn die Täter nicht erwischt werden? Das müssen aber andere Leute beantworten.

Ich habe erlebt, dass in der Regel Chatnutzer, deren Namen oder deren dargestellte Hobbies aus dem Bereich FKK (Freikörperkultur) stammen in Voyeurismus, Interesse an der Nacktheit junger Menschen und am Ende im Interesse an sexueller Handlung mit jungen Menschen gipfelte.
Ganz offen wurde gepriesen wie schön FKK-Urlaub sei und die ganze Familie und die Familien anderer FKK-Urlauber offen miteinander umgehen. Der leichteste Einstieg sollte es sein, wenn man einfach mal körperlichen Kontakt sucht. Mit wem? Das wurde mit einem zwinkernden Smiley kommuniziert.
Da die FKK-Kultur an sich nicht die Absicht hat derartige Interessen zu bedienen, war es doch beängstigend. Pauschale Verurteilungen derartiger Interessengruppen können schnell passieren.
Bilder, Videos und Geschichten aus diesen Bereichen wurden relativ offen und schnell angeboten. Meist auf normalen Bildertauschportalen wie unsee.cc. FKK ist ja nicht verboten. Alles ganz normal. Erziehungstipps waren nicht selten: Gewöhne deine ganze Familie ans Nacktsein! Das baut Hemmnisse ab, wenn du mal Lust hast. Zwinker, zwinker. Stellenweise Tipps bis hin zur richtigen Massage und Stimulierung der richtigen Person. Egal welchen Alters. Erziehung ist eben alles. Offen ausgesprochen worum es ging, wurde vollständig vermieden. Aber es sprang einem ins Gesicht.

Erschreckender war aber eine andere Gruppe von Menschen. Wenn Nutzer in ihrem Namen oder in ihren Geschichten davon sprachen alleinerziehend zu sein (Code: AEZ, AE, AZ), war man nicht weit davon entfernt über Kindesmissbrauch zu sprechen. In wie weit es wahr war, in wie weit die Leute am Ende ernsthafte Kontaktabsichten hatten, oder echt waren, kann ich nicht sagen. Diesem Punkt real nachzugehen lag nicht auf meiner Agenda. Aber es war eindeutig. Auch hier Angebote für Bilder. Angebote gegen Gutscheine Bilder zu erstellen. Über anonyme E-Mail-Konten. Angebote auf reale Treffen. Nicht in Hinterhöfen, sondern in der Öffentlichkeit. Später im Hotel. Gegen Geld, natürlich mit Foto- und Videomöglichkeiten. Was man bei diesen Treffen machen kann? Was man will! Konkret wurde niemand. Kein Wort von Sex. Nur zwinkern. Teilnehmer wurden nicht genannt. Von Wir wurde gesprochen. Oder direkt: Darüber spricht man nicht. Oder aber, um einen festen Partner zu finden. Für eine ganz offene Familie. Auch das. Ob Einsamkeit einige Leute dazu treibt? Keine Entschuldigung! Ob es je dazu gekommen wäre, kann ich nicht sagen. Der Pfad der Verbalerotik wurde jedoch bereits verlassen. Die Angebote wurden konkreter, aber immer unausgesprochen was passieren soll, kann oder muss. Die Anbieter kennen die Grenzen die sie einhalten müssen.

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Das DarkNet steht im Fokus von strafrechtlichen Ermittlungen. Aber was dort stattfindet, gibt es überall. Auch dort, wo die Hemmungen aufgrund fehlender Anonymität größer sein sollten.

Weiterhin habe ich immer, wirklich immer im deutschsprachigen Raum festgestellt, dass der Messenger kik beliebt ist bei Personen die sehr junge Menschen suchen. Der kik-Messenger bietet zwar keine Verschlüsselung, aber die Anmeldung ist ohne wichtige Details möglich und schützt die Privatsphäre. Nur Nutzernamen. Keine Telefonnummer oder ähnliches. Der Messenger ist, sofern die Daten noch stimmen, sehr beliebt bei Menschen zwischen 11 und 15 Jahren. Bereits vor einigen Jahren gab es viele Warnungen (1, 2, 3). Die App ist im Playstore zwar mit USK 18 eingestuft, aber seien wir ehrlich: Es ist eine Empfehlung und hindert nicht die Installation durchzuführen. Eine E-Mail-Adresse ist schnell realisiert. Das Geburtsdatum muss nur 18 Jahre her sein. Keine Prüfung.

Eltern sollten die Smartphones Ihrer Kinder mal prüfen. Ernsthaft! Der kik-Messenger ist immer noch IN!

Der meiste Missbrauch findet in Familien und im näheren Bekanntenkreis statt. Das ist bekannt. So bekommen es Eltern immer gesagt. Wer Kinder im Kindergarten hat, weiß, dass regelmäßig die eigenen Kinder geschult werden, wenn es darum geht sich zur Wehr zu setzen und Nein zu sagen. Das ist auch gut so und sollte überall gemacht werden.

Meine Chaterfahrungen, gezielt auf dieses Thema gerichtet, haben es nur unterstrichen. Familie als Hort des Ursprungs spielte immer eine große Rolle. Ob alleinerziehend oder der FKK-Familien-Urlaub, oder Erziehung zur Nacktheit daheim. Es entsprach alles dem typischen Bild vor dem gewarnt wird.

Was aber auch festzustellen war, ist die Tatsache, dass, sobald Leute offen darüber sprachen, sich vielleicht mal ein einziger Nutzer ablehnend äußerte. Gerade in größeren Gruppenchats, wo nicht nur Person zu Person Gespräche stattfinden konnten. Der Rest hat es ignoriert.

Stellenweise hatte ich die letzten zwei Monate keine Lust auf Computer und Internet. Es gibt einfach schlechte Menschen.

 

 

Webseiten für weitergehende Informationen zum Thema:

https://www.kein-raum-fuer-missbrauch.de/

http://www.polizei-dein-partner.de/…

http://www.gegen-missbrauch.de/

http://www.kindervertreter.de/de/…

 

 

Technische Durchführung

Keine Bilder und Videos in Firefox laden und Risiken vermeiden:

  1. about:config aufrufen
  2. default.image auf Wert 2 stellen
  3. media.autoplay.enabled auf false
  4. media.ffmpeg.enabled auf false
  5. media.ffvpx.enabled auf false
  6. media.ogg.enabled auf false
  7. media.mp4.enabled auf false
  8. media.apple.mp4.enabled auf false
  9. media.webm.enabled auf false
  10. Zusätzlich Videodateiformate am Firewall/Router blockieren
  11. Kein Java (Kein Javascript im DarkNet. Javascript im ClearNet aber notwendig wegen dem ganzen Schickimickigedöhns.)
  12. Kein Flash
  13. Grundsätzlich nur per LiveCD. LiveCD in virtueller Maschine starten. Per TOR surfen. Hostsystem per VPN ins Internet. Internet-Router ebenfalls per VPN ins Internet.

3 Kommentare DarkNet-Recherche – ClearNet vs. DarkNet

  1. black

    Für effektive Ursachenbekämpfung fehlen das Geld, die Leute und das Interesse.

    Gibt es keine Polizeieinheit die dich abwerben könnte? ;)

  2. gelbes vom ei

    Oh man. Ich wusste gar nicht, dass es noch alte herkömmliche Chats gibt. Apps, facebook, twitter. Aber CHATs?

    Jede Interessengruppe findet dann wohl ihre Kanäle.

    Danke für den Einblick.

Kommentare sind geschlossen.