DarkNet-Recherche – Gespräch mit der dunklen Seite

Ich recherchiere seit einiger Zeit im DarkNet. Strukturen, Leute, Themen, Ideen. Die meisten von Euch wissen wie einfach es ist Zugriff auf DarkNet-Seiten zu bekommen und loszulegen.

Als ich die Leser von kowabit nach Links gefragt habe, kamen die üblichen Seiten. Drogen, Waffen, noch mehr Drogen, Pornographie, Hacking. Im Grunde all das, was den verkommenen und angsteinflößenden Charakter eines rein kriminellen Rotlichtstadtteils ausmacht, wenn man das Leben eines Normalos, eines Bürgerlichen oder eines Spießbürgers als Durchschnitt nimmt. Und mit bürgerlich meine ich alle, die wie wir sind und keine DarkNet-Webseite mit Shop betreiben und ein bürgerlich reines Gewissen haben. Die vielleicht mal reinschnuppern und sich am Ende dennoch langweilen.

Völlig egal ob Ihr Linke seid, Ökos, Verräterparteianhänger, Christen, Muslime oder Aussteiger. Ihr seid / wir sind bürgerlich. Aus Sicht eines DarkNet-Veterans werden wir eher als langweilige und blinde Lemminge belächelt. Bei einigen Chats war es wie beim Konflikt zwischen Linux- und Windows-Nutzern. Gegenseitige Verachtung pur. Melkkühe und Opfer auf der einen Seite, Kunden auf der Anderen. Wie im verdammten normalen Leben. Alles eine Frage der Perspektive.

Das DarkNet ist die dunkle Seite des Internets. Wobei ich das jetzt nicht dramatisieren möchte. Das Internet ist Anarchie. Mit einer großen Anzahl von Teilnehmern, die sich kontrollieren lassen. Das DarkNet ist der Teil der Anarchie, der sich nicht kontrollieren lassen will. Wobei man die Anarchie am Ende auf beiden Seiten in Frage stellen kann und man doch nur beim Kapitalismus landet. Denn es geht immer nur ums Geld.

Zu Waffen und zu Drogen gibt es viele Beiträge in Zeitungen und im Fernsehen. Jeder findet sich schnell dort zurecht. Die angebotenen Waren sind eben das, was das DarkNet dahingehend ausmacht. Selten, dass man auch mal normale Angebote findet. Dann meist von Leuten, denen der Gewerbeschein und die steuerrechtlichen Geschichten zu aufwendig sind.

Es gibt Hostinganbieter, die Onion-Domains und Webspace zur Verfügung stellen. Webmailanbieter für anonyme Kommunikation. Eben nur für das Darknet. Für Leute, die etwas zu verbergen haben, für Leute die einfach ungestört sein wollen. Alles ganz normal.

Ich habe gechattet, geschrieben und so lange einen Kontakt gesucht bis ich nach sieben Überarbeitungen ein nettes Interview bzw. Gespräch mit einem Dienstleister aus dem DarkNet abgestimmt hatte, das mich nicht verwundert oder schockiert, sondern eher meine Erwartungen untermauert hat. Mit einem anderen Blick auf die Welt. Mit hohen Sichehreitsansprüchen, um überhaupt miteinander reden zu können. Wer Geschäfte im DarkNet macht, der muss die Kontrolle behalten. Und ich musste mich anpassen. Wir redeten über BitCoins, Politik, Geschäfte und dann wieder von Anfang an. Es war dann doch interessanter und ausführlicher als ich es für möglich gehalten habe.

 

Ein Gespräch

kowa: Hallo. Es hat lange gedauert, bis das jetzt möglich war.

PI: Hallo auch. Die meisten Anbieter und Nutzer wollen ungestört bleiben. Keine Aufmerksamkeit zu erregen, bedeutet keinen Stress zu bekommen.

kowa: Du verdienst Geld im DarkNet. Dort, wo manche Eltern nicht wissen was ihre Kinder dort treiben. Ist es leicht einen Shop im DarkNet aufzumachen.

PI: Ja. Einerseits gibt es für alles einen Dienstleister. Du buchst eine Domain, willst ein Shopsystem dazu und bezahlst. Irgendwann läuft es. Alternativ baust Du Dir einfach eine statische Webseite mit Deinem Angebot. Kontaktmöglichkeit über ein E-Mail-Postfach, das nur im TOR-Netzwerk funktioniert. Für jedes Geschäft bzw. für jede Transaktion eine neue BitCoin-Adresse. Das ist die einfachste Möglichkeit. Keine Gewerbeanmeldung. Kein Finanzamt. Du darfst nur nicht den TOR-Pfad verlassen.

kowa: Ich glaube ca. 20 verschiedene Chats benötigt zu haben, um auf Dich zu stoßen. In der Regel mit guten Empfehlungen.

PI: Empfehlungen sind das A und O. Entweder Du machst es wie ebay oder amazon und lässt Deine Produkte oder Dich in Deinem Shopsystem bewerten, oder Du setzt auf die wichtigste Währung: Vertrauen, Empfehlung und Erfahrung.

kowa: Was bietest Du an?

PI: Mich! Ich verkaufe mich und meine Fähigkeiten.

kowa: Konkret? Blumen werden es nicht sein.

PI: Ich bin ein IT-Dienstleister im DarkNet. Programmierdienstleistungen aller Art. Außer Industriegeschichten. Die Auflagen sind da zu hoch. Und durch hohe Auflagen, die der Kunde erfüllen muss, würden wir die Kontrolle verlieren. Hacking, wenn nicht zu aufwendig und andere Geschichten.

kowa: Warum keine legales Gewerbe?

PI: Ich habe ein Gewerbe. Ich zahle meine Steuern. Ich zahle für meine Rente und Gesundheit. Ich spaziere bei meiner IHK ein und aus. Alles ganz normal. Ich pflege einen kleinen Kundenstamm mit normalen Aufgaben. Nichts besonderes. Kleine Webseiten, kleine Anwendungen, kleine Reparaturen von verkorksten Systemen. Soviel, dass ich beim Finanzamt nicht auffalle. Soviel, dass ich davon theoretisch meine Familie ernähren kann und auch mal Geld für wohltätige Zwecke übrig habe und dem Staat etwas abgeben kann.

kowa: Und dann gibt es die andere Seite.

PI: Richtig. Unter anderem die gleichen Dienstleistungen. Eben nur für BitCoins, anonym, auf einer viel größeren Vertrauensbasis. Kein Kunde der sich bei mir beschwert, mich anmault und mir droht, sondern das Problem bespricht und ich es behebe. Es ist unkomplizierter in der TOR-Welt. Ehrlicher und auf ein Geschäft ausgerichtet. Es gibt keine Richter, keine Anwälte, keine Mahnungen, keine Abgaben, keine Rechnungslegung. Ich kann mich auf das Wesentliche konzentrieren.

kowa: Legalisierst Du die Einnahmen aus diesen Geschäften?

PI: Als ich anfing dachte ich, dass ich wirklich viel nebenbei machen kann. Ich wollte dem System das ich verachte nichts abgeben. Aber mittlerweile bin ich dazu gezwungen. Ich kann mit BitCoins zwar eine Menge kaufen, aber das Geld benötige ich in der realen Welt mehr. Also muss ich es machen. Ja, ich legalisiere die Einnahmen. Der Staat profitiert also von der dunklen Seite der Macht.

kowa: Hast Du keine Angst erwischt zu werden? Oder glaubst Du man will es nicht wissen?

PI: Momentan habe ich weder Angst, noch glaube ich, dass es jemanden interessiert. So lange es Bargeld gibt, kann auch ich Geschäfte direkt in meinen Geschäftsräumen machen. An der Supermarktkasse hinterlässt Du auch keinen Namen und Adresse, wenn Du mit Bargeld bezahlst. Und genauso mache ich das auch. Wer mit BitCoins bei mir bezahlt, der wird genauso behandelt wie an einer Kasse mit Bargeld. Den späteren Umtausch den erledige ich einfach so, oder ich kreiere BitCoin-Zahlungen von nicht existierenden Kunden im Ausland. Da ich es angebe und versteuere interessiert es das Finanzamt nicht.

kowa: Keine Sorge, dass das mal geändert wird oder die Behörden genauer nachfragen?

PI: Natürlich. Aber Ausländer dürfen bei mir bar in BitCoins bezahlen. Ihre Anwesenheit in den Geschäftsräumen ist nur unnötig. Das bekommt aber niemand mit. Und ich weiß, dass das viele kleinere Dienstleister aus unserem Bereich tun. Der Markt mit digitalen Währungen muss aber größer werden, um zukünftigen politischen Fehlentscheidungen zu entkommen.

kowa: Noch mehr Kryptowährungen?

PI: Nein. Der Markt auf dem wir damit einkaufen können. Wäre doch toll, wenn wir in die Kneipe gehen und mit Coins bezahlen. Einfach per App. Wenn kleine Tante-Emma-Läden, wenn es sie noch gibt, das anbieten würden. Auch für den täglichen Gebrauch. Das wäre eine Möglichkeit der Kontrolle zu entgehen. Die Banken kontrollieren uns. Die kontrollieren die Politiker, die erledigen die Drecksarbeit und werden aus Dankbarkeit mit unsinnigen und gut bezahlten Vortragseinladungen geschmiert. Sollten sie einst das Bargeld verbieten, einschränken tun sie es ja bereits, dann wäre das der Ausweg. Tauschgeschäfte sind legal. Und gegen was ich Dienstleistungen und Produkte tausche, nicht bezahle, ist doch mir überlassen.

kowa: Also sind Kryptowährungen Widerstand?

PI: Definitiv. Das DarkNet war ja eigentlich zur anonymen Kommunikation gedacht. Erzähle ich dir nichts Neues. Die Märkte die dann entstanden sind, sind doch nur Entstanden, weil es Verbote gibt. Jedes Verbot ist ein Versuch uns zu kontrollieren. Du darfst in Deutschland keine Waffen kaufen. Also musst Du es illegal machen. Der Markt ist da. Du benötigst Canabis, weil Du krank bist, also kaufst Du es am Einfachsten im DarkNet. Es lockert sich zwar zunehmend, aber auch nur, weil einige Pharmariesen ein Geschäft wittern. Du benötigst demnächst eine SIM-Karte die nicht auf Deinen Namen läuft? Kein Problem! Der Markt bereitet sich vor. Selbst ich werde das anbieten. Für 250 Euro bekommst Du einen gefälschten Pass im DarkNet. Irgendwas aus dem Baltikum beispielsweise. Brille auf, Bart angeklebt, fertig. So kannst Du auch die kommende Videofreischaltung überstehen. So bescheuert und lächerlich das ist, aber wir werden mit diesen Methoden arbeiten. Alternativ bezahlst Du Obdachlose oder Flüchtlinge dafür. Die Karte für 10 Euro wird dann aber 50 Euro kosten. Als ob derartige Kontrollversuche irgendjemanden aufhalten. Sie wollen wissen wohin Du fliegst, wohin Du fährst und was Du wann und wie bezahlst, mit wem Du telefoniert, wohin Du surfst und wo Du Dich den ganzen Tag aufhältst. Angeblich zur Terrorbekämpfung. Alles das dient jedoch nur der Kontrolle der Bevölkerung. Dezentrale Kryptowährungen sind ein Ausweg.

kowa: Das Offline-Leben ist durchsetzt von Überwachungsmöglichkeiten. Im Onlinebereich sieht es nicht besser aus.

PI: Ja, es wird zunehmend schlimmer. Es ist faktisch eine Diktatur in der wir leben. Die öffentliche Meinung hat es nur nicht registriert. Dieses System nimmt Dir die Kontrolle über Dein eigenes Leben. Es unterwirft Dich jeden Tag. Und mit Hilfe eines DarkNet-Supermarktes entziehe ich mich dieser Kontrolle. Jedenfalls so lange es geht. Und Kryptowährungen ermöglichen mir das. Es gibt zwar das Problem das den Coins kein realer Wert hinterlegt ist wie bspw. eine Golddeckung, aber momentan ist es eben die hohe Akzeptanz. Auch, wenn wir meiner Ansicht nach vor großen Veränderungen stehen.

kowa: Was genau?

PI: BitCoins haben sich durchgesetzt und sind kaum zu kontrollieren. Aber die Kontrolle wird kommen. Sie kommt spätestens dann, wenn BitCoins verboten werden, weil sie nicht durch Repräsentanten des Systems kontrolliert werden.

kowa: Die Kontrolle wird schwer. Wie will man kontrollieren was bei uns Nutzern auf den Rechnern oder Smartphones läuft? Ein Verbot halte ich für unwahrscheinlich.

PI: Direkt vielleicht nicht. Durch Werbung für ihre Coin-Produkte vielleicht. Durch bekannte und beliebte Persönlichkeiten, die sich als Werbegesicht zur Verfügung stellen. Die Finanzindustrie beginnt doch bereits damit. Sie fangen an eigene Währungen herauszugeben oder planen es zumindest. Die Finanzdienstleistungswährung Ripple ist ein Beispiel. Sie wird von einigen großen Finanzdienstleistern gestützt. Industriekonzerne wie IBM starten auch mit ihrer eigenen Blockchain-Technologie. Die haben den Markt und die Möglichkeiten erkannt. Lass nur eine Währung hochgepuscht werden auf ein Drittel oder die Hälfte des Wertes eines BitCoins und sie machen BTC kaputt.

kowa: Auch ich könnte eine Währung starten. Du auch, aber das heißt noch nicht, dass sie uns auch kontrollieren oder diese Währungen dann kaputt machen.

PI: Doch. Durch Illegalität oder durch Anreize von angeblicher Sicherheit. Die Menschen werden darauf hereinfallen. Die Banken kontrollieren die Welt. Einige große Konzerne kontrollieren mit. Der Auftrag an die Politik wird irgendwann sein, dass nur Währungen, die durch eine Behörde kontrolliert und zertifiziert sind, als Zahlungsmittel anerkannt werden. BitCoins sind zwar momentan durch die EU-Ebene gewissermaßen anerkannt, aber das wird sich ändern. Und seien wir ehrlich. Wer heutzutage noch SPD, CDU/CSU oder FDP wählt, der wird sich doch in die Hosen scheißen, wenn er in den Nachrichten erfährt, dass in 6 Monaten seine BitCoins und all die anderen unkontrollierten und nicht regulierten Währungen illegal sind oder jeglicher Handel mit Euro/Dollar nicht mehr möglich ist. Die Dienstleister, die BitCoins kaufen und verkaufen, sind gezwungen ihr Geschäftsmodell zu ändern, weil es Unternehmen innerhalb dieses Systems sind. Entweder Du ziehst Deine Coins auf Dein eigenes System zuhause ab und hoffst, dass sie was wert bleiben oder es wird gelöscht was da ist. Es wird einige Leute hart treffen. Sie sind faktisch nichts mehr wert für die Masse der Zombies auf diesem Planeten. Auch ich hätte dann Probleme damit Geld zu verdienen. Einige meiner Kunden haben sich nur für mich BitCoins geholt und sie gemixt und gemixt und am Ende zu mir transferiert. Das wird wegfallen. Ich bin auch erst durch BitCoins ins DarkNet abgewandert. Es hat mir Freiheit gegeben. Aber alles was uns Freiheit bringt, also wirkliche Unabhängigkeit von Staat und System, nimmt man uns wieder.

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kowa: Klingt aber auch ziemlich nach Verschwörung. Ich bin ehrlich. Ich nehme BitCoins als Spenden nur an, weil andere daran glauben und es für sie einen Wert hat. Für mich sind es wertlose mathematische Ergebnisse, die ich aus den gegebenen Gründen in Euro umtauschen kann. Einige Leser lehnen Euro-Spenden ab. Also passe ich mich an. Ich stimme Dir zu, dass es einige Leute hart treffen wird, deren Glauben an diese Währung sehr stark ist. Würde mich über agressive Kommentare zum Thema nicht wundern. Steigst Du auf andere Währungen um, wenn es nötig wird? Was machen Deine Kunden? Oder würdest Du Dir Änderungen wünschen, um das System zu retten?

PI: Verschwörung, vielleicht. Wenn ich wechseln muss, dann suche ich mir eine Strategie zur Wahrung der Identität und der Kunde muss mitziehen. Da ich Geld verdienen will, muss ich aber tatsächlich Systemkritik äußern. Die Gebühren für BitCoin-Transaktionen sind mir mittlerweile zu hoch. Sie stören mich enorm. Physisches Gold wäre da besser. Banküberweisungen sind sogar besser. Bargeld ist besser. Ich bin nämlich auch der Überzeugung, dass eine Währung wie BitCoins, dessen System von mir Transaktionsgebühren verlangt, falsch angelegt ist. Auch das nimmt mir meine Freiheit und nimmt meinen Kunden mehr Geld weg als eine Transaktion mit normaler Währung. Das wäre verbesserungswürdig. Das hat auch was mit Kontrolle zu tun. Einige andere Währungen gehen da andere Wege. Sobald aber die Banken durchgestartet sind, werden die mit Gebühren für Transaktionen richtig Geld machen. Da es sich nicht um Bankkonten an sich handelt, wird erst gar keiner registrieren, dass es eigentlich Gebühren für Überweisungen sind. Zombies. Aber sie werden günstiger sein als BitCoins und andere führende Blockchainwährungen. Sie werden uns eben ein besseres Angebot machen.

kowa: Alles außerhalb von dezentralen unkontrollierten Kryptowährungen könnte die Anonymität kosten. Also nimmt man es hin und zahlt die Gebühren? Um seine Anonymität teuer zu erkaufen? Oder wäre es ein Punkt, um wegzugehen von BitCoins? Wie könnten Banken das ganze toppen?

PI: Es wird irgendwann ein paar Kryptowährungen geben, die von den üblichen Mafiaorganisationen kontrolliert werden.

kowa: Du meinst Banken? Industrie? Politik?

PI: Ja. Da ist die Anonymität weg. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das BitCoin-System aufgrund seiner Schwächen noch lange dominieren wird. Sie werden Konkurrenzcoins auf den Markt werfen und die werden bei vielen Geschäften anerkannt sein. BitCoins aber nicht. Dann musst du raus aus BitCoins. So schnell es geht. Wenn wir bis dahin keine neue Kryptowährung aufgesetzt haben, also eine Währung die wirklich immer dezentral bleibt, die am besten gebührenfrei, schneller und weit verbreitet ist, frei zugänglich und breite Konsummöglichkeiten bietet, ist der Widerstand gebrochen. So eine Kryptowährung darf noch nicht mal eine Tauschmöglichkeit mit Euro oder Dollar anbieten. Höchstens am Anfang. Sie muss völlig losgelöst von diesem System sein. Sollte das nicht möglich sein, ist es das Beste den Kniefall vor der Finanzindustrie zu machen und deren Währungen zu kaufen. Prügel mich meinetwegen dafür. Aber ich bin Realist.

kowa: Auf welche Coins würdest Du momentan setzen? Würde es Dein DarkNet-Geschäft gefährden?

PI: Ja, das ist ärgerlich. Auch ich muss mich anpassen. Also schaue ich mir den Markt an. Wenn ich wetten sollte und ich bin ehrlich, ich wette bereits seit einigen Monaten, dann würde ich auf Ripple setzen. Die haben gut aufgeholt. Die Finanzindustrie steht dahinter. Oder DASH. Es gibt Händler die damit arbeiten. Noch sehr Netzbezogen, aber hey. Irgendwo nimmt es seinen Anfang. Sie sind auch noch günstig zu haben. Und die Finanzindustrie gewinnt immer. Das ist der Schlüssel. Als 2008 das System eigentlich blutend zu Grunde hätte gehen müssen, hat die Mehrheit der Menschen einfach so weiter gemacht. Alle haben ignoriert, dass das Bankensystem nur ein Betrug ist. Da die Regierungen aber durch Tricks den Schein wahren konnten, hat jeder von diesem Betrug profitiert. Die Reichen natürlich mehr als die Armen. Wenn demnächst einige Großkonzerne eine Währung auf den Markt werfen, oder Banken in Währungen investieren, dann sollte man sofort investieren. Es geht mir nicht ums Zocken. Die meisten Währungen sind doch nur Spekulationsmasse. Die haben garkeine Investitionsmöglichkeit außer sich selbst. Der Schlüssel zum Erfolg wird der Handel sein und die Akzeptanz in Onlineshops, in realen Märkten und im realen Finanzsystem. Um das Finanzsystem jedoch loszuwerden, müssten wir aber eine Parallelwährung haben. Wenn nicht, verfestigen sich die jetzigen Machtverhältnisse. Das kann das DarkNet aber nicht leisten. Viel zu schwach.

kowa: Wir könnten es ändern. Vielleicht anders wählen, um das System zu ändern?

PI: Du bist ein Linker. Aber seien wir ehrlich. Momentan haben die Vertreter des Systems wieder Angst vor den Linken. Wenn nur ein Anzeichen auf Rot-Rot oder Rot-Rot-Grün steht, dann zittern ihnen die Knie. Sie wissen ja nicht was ihr machen könntet. Also ignorieren sie Euch oder schreiben Bullshit. Aber sollte es doch klappen, seid ihr am Ende auch wieder zahm. Das ist zwar eine Zwickmühle in der jede Partei gefangen ist, aber es ist so. Koalitionen zwingen zu Abstrichen. Ist vielleicht aber auch besser, als würde eine Partei alleine die Mehrheit stellen. Wir f**ken uns immer selbst ins Knie.

kowa: Ich lasse das so stehen. Pflege aber die Hoffnung, dass wir gewisse Organisationen eher in die Knie zwingen, als andere.

PI: Dann solltet Ihr aber nicht auf Martin Schulz setzen.

kowa: Ich denke, wer politisch interessiert ist, weiß, dass im September GroKo gewählt wird. Martin Schulz ist das letzte Personal, dass die Agenda-SPD vertritt. Die SPD kann erst nach ihm eine Erneuerung beginnen oder (bitte) endgültig untergehen. Die Jungs wollen doch gar nicht mit uns Linken.

PI: Genau.

kowa: Als DarkNet-Hacker ist politisches Interesse notwendig?

PI: Definitiv. Wir sind wie Anwälte. Sobald sich etwas ändert und uns betrifft, müssen wir uns schulen und reagieren. Deshalb ist politisches Interesse von enormer Bedeutung. Wir mischen uns zwar nicht ein, weil es unsere Anonymität gefährdet, aber wir interessieren uns für Politik genauso wie es all die Lobbyorganisationen tun. Die können jedoch offen auftreten. Wir können uns nur anpassen und versuchen Trends zu setzen. Wenn neue Überwachungsgesetze im Kommunikationsbereich beschlossen werden, dann passen sich Leute wie Du und ich an. Das müssten eigentlich viel mehr Leute tun. Wie wäre es kowa, wenn Du einen VHS-Kurs dazu anbietest? Dem Überwachungsstaat entkommen? Wäre sicher interessant, ob eine Volkshochschule sowas anbieten würde. Könnte einige Parteien ärgern.

kowa: Nette Idee. Volkshochschulen zahlen aber zu wenig. Hast Du viele Kontakte zu anderen TOR-Teilnehmern auf der Business-Seite?

PI: Was heißt viele? Ich habe mehr Kontakte zu Mitgliedern meiner IHK. Aber es gibt sie. Wir helfen uns durchaus. Aber das kann man nicht mit jedem. Die Hälfte waren mal Kunden, die andere Hälfte über Empfehlung der Kunden. Aber ich kenne keinen Einzigen von ihnen im Reallife persönlich. Es geht hier nur ums Geschäft. Wir sprechen uns mit Du an und das war es schon. Nur ein anonymer Chat und ein Geschäft.

kowa: Kennst Du auch Kunden außerhalb des DarkNets?

PI: Ja. Manche Kunden wollen normale Aufträge. Ich weiß dann wer sie sind. Das weiß ja auch jeder Drogenhändler oder Waffenhändler der ein Paket zusendet. Dich konnte ich ja auch prüfen. Es gibt aber in der Regel keine Aufzeichnungen. Das wäre fahrlässig.

kowa: Was heisst in der Regel?

PI: Wenn Du einen Kunden bekommst der merkwürdige Fragen stellt, die irgendwie auffallen, dann prüfe ich die Person, sofern sie außerhalb des DarkNets operiert. Und wenn da ein oder zwei Dinge Misstrauen erwecken, dann endet die Kommunikation und ich notiere mir einige Details. Wer im DarkNet mit mir Geschäfte macht der einigt sich auf einen Auftrag, bezahlt anonym und erhält zum Stichtag das Produkt. Fertig. Mehr drumherum kann es nicht geben, außer es stimmt etwas nicht.

kowa:  Du meinst Behörden die interessiert daran sind Dich zu knacken?

PI: Ja. Ist nicht einmal selten. Meist aber aus dem englischsprachigen Bereich.

kowa: Wir haben allgemein und viel über Währungen und Politik geschrieben. Wie sieht es aus mit Deinen anderen Dienstleistungen. Hacking zum Beispiel.

PI: Da gibt es wenige Aufträge. Ich habe schon Trojaner modifiziert oder Systeme geprüft. Ich mache in der Regel nur vorbereitende Geschichten. Angreifen tue ich nicht. Die Ressourcen habe ich nicht und will ich mir nicht aufbauen. Das lohnt sich nicht.

kowa: Hast Du je nachvollziehen können wofür Deine Malware genutzt wurde?

PI: Nein. Das interessiert mich auch nicht. Ich werde für andere Sachen bezahlt. Der Kunde muss in der Regel nur E-Mail-Adressen oder Kontrollserver eintragen, dann läuft das.

kowa:  Der Markt mit Baukästen für Malware ist auch vorhanden und groß. Ist das Konkurrenz für Dich?

PI: Nein. Wer Qualität will der nutzt keinen Baukasten den andere Leute schon genutzt haben. Wer Qualität haben will, kann auch mal 1 BitCoin ausgeben für eine sauberere Arbeit. Aber ich erstelle sowas ja nur zu Testzwecken.

kowa: Offiziell.

PI: Was der Kunde damit macht, entzieht sich meiner Kontrolle. Darüber denke ich auch nicht nach. Die Waffenhersteller denken ja auch nicht darüber nach, dass Ihre Produkte Menschen töten. Genauso wenig wie die Heuchler mit Gewerkschaftsbuch, die dort am Fließband Panzer bauen und einmal im Jahr auf eine Friedensdemo laufen. Die SPD oder Union denken ja auch nicht darüber nach, wenn sie Waffen in Kriegsgebiete exportieren. Die gleiche Scheinheiligkeit ist auch mein gutes Recht.

kowa: Aber willst Du nicht eine bessere Welt? Wenigstens ein bisschen?

PI: Alles Ansichtssache. Ich will mein Leben selbst bestimmen. Ich will Geschäfte machen. Ich will meine Fähigkeiten ausbauen und anderen anbieten. Das sollen alle anderen Menschen auch können. Am Besten sollen sie alle davon leben können. Ich habe moralische und ethische Ansprüche, aber die werden täglich mit der Realität neu ausgehandelt.

kowa: Wie willst Du Moral und Ethik verhandeln?

PI: In dem ich der Gesellschaft einen Spiegel vorhalte. Wenn die ganze Welt friedlich ist, bin ich es auch. Wenn man mich nicht betrügt, dann betrüge ich auch nicht. Wenn man mir das Leben nicht zu Hölle macht, dann mache ich das auch nicht mit anderen Leuten. Idealisten sind verloren. Wer ökologisch lebt der kämpft trotzdem damit, dass der Rest der Menschheit es nicht tut. Sich nur für das eigene Gewissen einschränken? Nee. Wenn wir durch grüne Politik das Leiden der Welt verlängern, weil wir zu wenige dafür sind, dann verhindern wir doch auch, dass die Verursacher, wenn sie alt und knatterig sind, die eigenen Enkel an der Umweltvergiftung sterben sehen. Also sollten wir es beschleunigen. Diesel kaufen! Standgas geben! Direkt vor den Häusern der Politiker. Die Partei des Mautministers bietet sich an. Politisch ändert sich immer nur etwas, wenn das Leben derjenigen die uns kontrollieren, oder das Leben von deren eigenen Leuten am seidenen Faden hängt. Erst, wenn sie selbst leiden, dann ändern sie etwas. Vorher nicht. Die sehen das gar nicht. Also mache ich meine Geschäfte. Egal was daraus wird.

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kowa:  Aber dann Kapitalismus in reinster Form als Lösung ansehen und alles noch schlimmer machen?

PI: Ja. Das ist doch auch gelebte Realität. Machen wir uns doch nichts vor. Es gab eine Energiewende. Wir zahlen mehr. Es gab die Agenda 2010. Wir werden mehr drangsaliert, unter Druck gesetzt und müssen uns nackig machen, wenn wir betroffen sind. Alle predigen Frieden und führen Krieg. Wir leben im Kapitalismus dem die Schwachen egal sind. Es geht nur um das Abkassieren. Ich werde soweit ich es kann, mitmachen. Auf meine Weise. In meinem Geschäftsbereich und hoffentlich zum Schaden des Systems. Der Rest ist mir egal, weil er allen anderen auch egal ist. Wir werden täglich absichtlich und durch Schwachköpfe in den Entscheidungsgremien entmachtet und gemolken. Das geht mir gegen den Strich. Ich verfolge nur die Regeln des DarkNets. Vertrauen und Ergebnisorientierung. Das führt zu mehr Aufträgen. Völlig egal was es umzusetzen gilt. Die Einnahmen so gut es geht dem System vorenthalten. Und vielleicht hoffe ich auch auf den großen Crash.

kowa: Jetzt hatten wir mehr Politik als IT-Geschichten.

PI: Ja, traurig.

kowa: Wen wählst Du?

PI: Echt jetzt?

kowa: Ja, das rundet das Gespräch ab.

PI: Muss nicht sein.

kowa: Wählen?

PI: Ja. Ist überflüssig.

kowa:  AFD?

PI: DIe haben keine Ideen. Nein.

kowa: LINKE?

PI: Wenn ich Dich dann glücklich mache?

kowa: SPD?

PI: So tief sinke selbst ich nicht.

kowa: CDU? Oder CSU?

PI: Würde ich CSU sagen und wählen können, wäre jetzt meine Anonymität gefährdet.

kowa: Ah ja, nur noch ein Bundesland, das man nach Deinem Profil durchsuchen müsste.

PI: Ja. Aber ist es nicht. CDU ist aber nur noch zur Belustigung eine gute Wahl.

kowa: FDP?

PI: Mit Möllemann verstorben.

kowa: Grüne?

PI: Zu viel Bevormundung.

kowa: Gut. Kommen wir bitte weg von der Politik.

PI: Nichts lieber als das.

kowa: Du bietest andere hochpreisige Dienstleistungen an. Ab 1.5 Bitcoins bis zu 3 BitCoins hast Du mir vorab als Preis für gewisse Dinge geschrieben.

PI: Ja, die Preise sind dem Markt geschuldet. Es gibt einige Anbieter mit günstigeren Preisen, andere mit höheren Preisen. Ich bin nicht gierig. Ich will meine Kosten ersetzt sehen und Profit machen. Die Preise passen sich natürlich auch dem Wert in Euro an.

kowa: Was bekomme ich von Dir dafür.

PI: Ein Geschäft. Die dunkle Seite der Macht.

kowa: Also so richtig böse Sachen?

PI: Wie man es nimmt. Wenn Du mich bezahlst und mir die Daten einer Person gibst, dann sorge ich dafür, dass die Person Probleme bekommt.

kowa: Mit dem Staat?

PI: Ja. Aber auch auf anderen Ebenen.

kowa: Hast Du sowas schonmal gemacht?

PI: Natürlich noch nie!

kowa: Natürlich. Aber wenn, was würdest Du anbieten können.

PI: Dinge, die jeder andere auch tun kann, aber sich nicht traut.

kowa: Beispiele?

PI: Du kaufst Dir funktionierende Kreditkartendaten im DarkNet. Kostenpunkt ca. 100 Euro. Du bekommst genug Daten für den Preis. Damit kauft man ein und lässt die Waren zur Zielperson schicken.

kowa: Dann würde die Polizei bei der Zielperson aufkreuzen.

PI: Richtig. In der Regel, das habe ich gelesen, brauchen die Jungs gut 3 Monate zum Abarbeiten von Kreditkartenbetrug. Wenn ich das E-Mail-Postfach der Zielperson kontrolliere, dann kann ich die Bestellungen sogar über deren Postfach erledigen. Im anderen Fall muss ich eine Fake-Adresse erstellen. Bei einer Fakeadresse hat die Zielperson dann Glück. Nach einigen Wochen wird sie als Opfer eines Identitätsdiebstahls entlastet. Hat aber ziemlich viel Stress und auch Kosten zu schultern. Beim eigenen Postfach wird es schon schwieriger die Vorwürfe zu entkräften.

kowa: Also ist ein gutes Passwort und eine sichere E-Mail-Verwaltung das A und O?

PI: Ja. Die wenigsten Leute halten sich aber dran. Aber es ist ziemlich simpel sich zu schützen.

kowa: Was kommt nach den drei Monaten?

PI: DarkNet-Bestellungen. Aber nicht nach drei Monaten, sondern parallel.

kowa: Die werden nicht immer erkannt als solches? Die Post guckt da in der Regel nicht rein.

PI: Stimmt. Aber bestelle mal Drogen und Waffen und lass das einer Zielperson zusenden. Wenn Du dann noch einen Tip an die Polizei gibst, dann geht das seinen Gang. Wenn parallel noch Kreditkartenbetrugsvorwürfe dazu kommen, hast Du keine Chance. Und eine Hausdurchsuchung trifft Dich hart.

kowa: Okay, aber aus allem kommt die Person raus. Die Bestellung kann man nicht nachweisen, nur die Lieferung.

PI: Das ist doch egal. Erstmal Kreditkartenbetrug. Dann Drogen und Waffen. Stell Dir vor Du bist eine Person von öffentlichem Interesse. Selbst nur auf kleiner Ebene. Du bist geliefert. Alle wenden sich ab von Dir. Alle meiden dich. Selbst, wenn nach einem Jahr eine Einstellung aller Verfahren kommt, kannst Du ruiniert sein. Was erstmal in der Familie abgeht. Und wenn Du noch auf einen Staatsanwalt und Richter triffst, die nicht im Ansatz begreifen wozu jeder Einzelne von uns im Internet fähig ist und alle digitalen Beweise niemals wirklich einer Person zugeordnet werden können, dann hast Du auch verloren und kannst enorme Kosten in den einzelnen Instanzen tragen. Zerstörerisch.

kowa: Ich hatte vor einer Weile auf fefes Blog von Kinderpornographie durch Malware gelesen.

PI: Ich sehe, es kommt niemand an fefe vorbei.

kowa: Der Hohepriester, ja.

PI: Ja, auch das ist wohl die einfachste Möglichkeit. Danken wir allen im Chor, dass es Javascript gibt und die Masse der Nutzer es eingeschaltet hat. Ob per HTML-Email oder Javascriptanhang. Ob manipulierte Webseiten per Phishingangriff. Das Highlight sind ja mittlerweile Werbekampagnen. Ein gezielter Angriff kann nicht abgewehrt werden. Eine Zielperson würde immer genau den Inhalt bekommen, den sie definitiv öffnet. Menschen sind leicht zu manipulieren. Und das Script speichert die Beweise auf Deinem Rechner. Herzlichen Glückwunsch.

kowa: Schon gemacht?

PI: Natürlich nicht.

kowa: Wenn dann bei der Beschlagnahmung derartige Daten gefunden werden, wird es richtig schlimm für die Person.

PI: Natürlich. Wenn der Forensiker nicht durchblickt, hat man wohl kaum eine Chance. Und der Ruf ist dann völlig hinüber. Da würde sicher mancheine Person vor einen Zug springen.

kowa: Wenn Du sowas verursachst, könntest du damit leben?

PI: Es ist ein Geschäft. Ja, das könnte ich. Ich habe aber auch die Möglichkeit Nein zu sagen. Immerhin muss ich selbst über die Zielperson recherchieren. Da hat man die Möglichkeit noch nein zu sagen und einen Teil der BitCoins trotzdem zu behalten.

kowa: Dann wäre das Vertrauen aber weg?

PI: Nein. Leute die so einen Auftrag vergeben, halten den Mund und kommunizieren in kleineren Kreisen.

kowa: Wäre auch eine Geschäftsidee, oder? Anbieten und es nicht umsetzen?

PI: Nein, das würde sich nicht durchsetzen. Es spricht sich trotzdem rum. Aber solche Anfragen sind auch eher selten. Und meist bleibt es bei Anfragen.

kowa: Die Skrupel sind dann wohl doch höher als der Wunsch jemandem nachzustellen?

PI: Vermutlich. Als Geschäftsmann gebe ich die Regeln in solchen Fällen aber vor. Auch, dass ich mir vorbehalte nicht tätig zu werden. Meine Anfangsrecherche muss trotzdem bezahlt werden. Egal was bei rumkommt.

kowa: Das ist aber schon passiert?

PI: Ja. Und der Schutz der eigenen persönlichen Daten ist nicht die Stärke der Menschen. Wahrscheinlich haben Leute wie ich mehr Skrupel Aufträge zu Ende zu bringen, als die Auftraggeber. Wir erfahren einfach sehr viel über die Zielpersonen.

kowa: Es wird ja auch immer schwerer sich zu schützen. Auch ohne Daten manuell zu hinterlassen, werden wir verfolgt.

PI: Ja. Tracking. Auch das ist wieder, und da kommen wir zum Anfang zurück, nichts weiter als Kontrolle. Wie im realen Leben, jetzt nur Online. Und die großen Zeitungen und Webportale machen mit. Deshalb ist das DarkNet so angenehm. In der Regel wirst Du nicht verfolgt, getrackt und hinterlässt auf diese Weise ein Profil. Und in der Regel ist JavaScript ausgeschaltet.

kowa: Ja, selbst auf den kriminellsten Seiten wird man aufgefordert Javascript zu deaktivieren.

PI: Selbstschutz. Hast Du es eingeschaltet und Dein System wird bspw. durch eine Sicherheitsbehörde übernommen, könnten deren Leute Deine Zugangsdaten herausgefunden haben und dadurch Zugang zu meinem kriminellen Markt erhalten. Javascript ausschalten, ist die beste Möglichkeit sich und andere zu schützen. Die Warnung erfolgt aus gutem Grund. Da ich aber die Nutzerfehler kenne, habe ich gar keine Shopsoftware. Nichs wäre schlimmer, als wenn ein vertrauter Kunde mit dem man offen schreibt gar nicht mehr Herr seines Kontos ist.

kowa: Auch im ClearNet beim Tracking ist es nicht ungefährlich.

PI: Natürlich. Die Industrie trackt uns doch nur, um uns zu kontrollieren. Sie wissen immer wo Du Dich im Internet aufhältst. Sie kennen Deine Online-Zeiten. Sie kennen Deine Interessen. Sie kennen Deine Bewegung. Sie wissen alles über Dich. Und so können Sie dich auch beeinflussen. Zur richtigen Zeit, auf der richtigen Seite und Du erhältst die Nachricht, die Information, die Werbung, die man für Dich vorgesehen hat, um Dich zu beeinflussen. Wenn Du Javascript ausschaltest, dann erhältst Du die Kontrolle über Dein Leben zurück. Und es sind nicht nur Unternehmen. Auch politische Botschaften kannst Du so verbreiten. Die Leute würden es gar nicht bemerken, sondern nur ihr Leben nach den Regeln anderer ändern. Und am schlimmsten sind DarkNet-Nutzer, die über TOR auf Facebook zugreifen. Zombies. Alles Zombies. Wenn sich dann auch noch Tarnfirmen von bestimmten staatlichen Diensten in diese Trackingstrukturen einmieten, dann ist die Masse der Nutzer gerastert.

kowa: Glaubst Du das DarkNet wird stärker an Bedeutung gewinnen?

PI: Weiß ich nicht. Ich bemerke für mich, seit ich eingestiegen bin, keine größere Nutzung, Verbreitung oder Wahrnehmung. Das DarkNet ist zwar größer als es manche Leute sich vorstellen können, aber im Vergleich zum ClearNet ziemlich klein. Vielleicht liegt es auch daran, dass diese ganzen unsinnigen Angebote keine Rolle spielen. Soziale Netzwerke, SEO-Blödsinn, Werbung und Visitenkarten von Firmen, Leuten und Dingen, die irgendwie nett, aber im Internet nichts zu suchen haben. Kosten nur Geld.

kowa: Wie findet man Dich? Bekomme ich Prozente, wenn ich Dich vermittle?

PI: Nein. Arbeite doch selber. Empfehlung im DarkNet. Ich bin ausgelastet. Ich benötige Deine Hilfe nicht.

kowa: Hast Du noch eine Botschaft?

PI: Nein.

kowa: Danke, das hat sich gelohnt.

 

*Den Kontakt habe ich durch Chats und Empfehlungen im DarkNet gefunden. Die Einladungen zum Austausch kam von PI. Ebenso mehrfach wechselnde Onion-Adressen und Chatsysteme, die nur unter seiner/ihrer Kontrolle standen. PI hat die Regeln vorgegeben. PI hat das hier dargestellte Gespräch und die Inhalte abgesegnet. Das waren die Regeln. PI ist nur ein hier genutzter Alias. Da ich mich transparent darstellen musste, hatte ich schon Bammel. So ist das eben mit dem Vertrauen.

7 Kommentare DarkNet-Recherche – Gespräch mit der dunklen Seite

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  3. ToWi

    Naja, als ich den ganzen Verschwörungsschwurbel gelesen habe, war es eigentlich schon vorbei. Als dann nach der Kapitalismuskritik die Aussage kam, das er die Moral dem Geschäft untergeordnet… Klar, waren ein paar Einblicke, aber insgesamt nichts neues. Leider. Trotzdem vielen Dank für die Mühe, investigativer Journalismus ist ja heute die Ausnahme.

  4. Anonymous

    Interessantes Interview, danke dafür an euch beide.

    Was mich etwas traurig macht ist, dass “PI” so eine idealismusfeindliche Haltung hat. Das macht es den Leuten, die tatsächlich etwas verbessern möchten, nämlich umso schwerer. Wie weit könnten wir schon sein z.B. in Sachen Umweltschutz, wenn weniger Menschen dagegen arbeiten würden? Dafür leistet er/sie seinen/ihren Beitrag zum Datenschutz…

  5. dudo

    sehr aufschlußreich und interessant, mit realistischen ansichten von pi, spannend, gern mehr davon…

  6. Passenger

    WOW… Respekt und vielen Dank an Dich Kowa und natürlich an “PI” für diese interessanten und teils aufregenden Einblicke. Sehr gut gemacht. Weiter so…

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