Das neue Telemediengesetz – Störerhaftung und Vorratsdatenspeicherung für Alle (Update 15.03.2015)

Sarkasmus, Ironie und Zuspitzung, sowie übertriebene bis brachiale Wortwahl gehören in diesem Beitrag zum guten Ton.

Ahnungslos oder Ergebnis konsequenter Lobbyarbeit! Bürgerfeindlich! Gefährlich! So sieht der neue Gesetzentwurf zur Änderung des Telemediengesetzes aus.
Entweder haben die Mobilfunkanbieter interveniert, weil sie Angst haben, dass die Leute nur noch mit IP-Telefonie übers Internet und von HotSpot zu HotSpot kommunizieren, oder die Abmahnindustrie hat mal eben im Ministerium ihre Leute vorbeischauen lassen. Letzteres scheint wohl der Fall gewesen zu sein. Denn die Praxis der Gerichte Abmahnungen ins Leere laufen zu lassen, wird immer beliebter, wenn der Anschlussinhaber weitere Verdächtige aufzählen kann. Da Abmahner keine sichere Beweiserhebung durchführen können, um den Täter genau zu identifizieren, scheitern sie mittlerweile immer öfter. Und das soll wohl wieder geändert werden? Das bald geänderte Telemediengesetz erleichtert jedenfalls definitiv nicht den Betrieb eines offenen WLANs und wird keine neue HotSpot-Generation ins Leben rufen. Es wird dafür sorgen, dass in Deutschland die Leute weiterhin eigene Internetzugänge über Ihre Mobilfunkanbieter bezahlen müssen, um in attraktiven Innenstädten das Internet nutzen zu können. Aber darum geht es den Machern des Gesetzes auch gar nicht. Es geht darum eine Pflicht zur privaten Vorratsdatenspeicherung durchzusetzen (, weil es auf anderem Wege nicht erlaubt ist) und normale Internetnutzer daran zu hindern sich gegen Abmahnungen wegen Urheberrechtsverstößen zu verteidigen. Klingt nach groben Unsinn? Ich weiß! Aber die technische Umsetzung, um der Störerhaftung nach diesem TMG-Änderungsvorschlag zu entgehen, ist für normale Anwender ohne erweitertes IT-Hintergrundwissen nicht umsetzbar. Dieses Gesetz richtet sich aktiv gegen die Bevölkerung. Aber wenigstens wissen wir, wer dafür verantwortlich ist.

Die Katastrophe in den paar Zeilen des Gesetzentwurfes ist, dass, sobald dieses Gesetz (sollte es nicht kippen oder noch maßgeblich geändert werden) in Kraft tritt, jeder private Haushalt gezwungen ist seine Teilnehmer im heimischen Netzwerk namentlich irgendwie zu registrieren bzw. zu notieren. Und wir werden das jetzt mal ganz konsequent durchleuchten.

Man könnte jetzt zur Umsetzung die Möglichkeit nutzen die an Routern und Firewalls angeboten wird. Ihr richtet also Kennungen an den Geräten ein für Papi, Mami und Kind, dann Oma, Opa, Nachbar, Gast 1, Gast 2 und Kumpel 1 und Kumpel 2, Geliebte 1, Geliebte 2, Geliebte 3, Geliebte 4, Geliebte 5, Geliebte 6, Geliebten 1, Geliebten 2, Geliebten 3, Geliebten 4, Geliebten 5, Geliebten 6, Ex-Freundin 1, Ex-Freundin 2, Ex-Freundin 3, den Ex-Freund 1, Ex-Freund 2 oder Ex-Freund 3, Kollegen 1, Kollegen 2 und den Rest Eurer Bekanntschaften. Den Namen der Person hinter jeder Kennung schreibt Ihr natürlich auch noch auf. Wenn die genannten Personen jetzt ins Internet wollen, müssen sie erstmal Ihre Kennung und Passwort im Browser eintippen. Wer öfter von Euch im Hotel ist, kennt das von deren HotSpots. Das wird dann also auch Pflicht für Privatleute. Herzlichen Glückwunsch und herzlichen Dank an alle CDU/CSU/SPD-Wähler.

Was das bringen soll? Soweit ich das alles richtig verstanden habe, soll Euch das vor Abmahnungen schützen. Wenn Ihr eine Abmahnung bekommt, könnt Ihr jetzt eine Liste mit 5, 10 oder 30 Namen vorweisen, die sich bei Euch im Netzwerk anmelden und im Internet rumsurfen können. Damit kann man Euch als Störer nicht heranziehen, wenn Ihr leugnet es gewesen zu sein. Es können ja auch die anderen Leutz gewesen sein. So läuft es momentan vermehrt vor Gericht zu Gunsten der Abgemahnten. Würde der Gesetzgeber hier also aktuelle Rechtsprechung in ein Gesetz überführen? Neeeeeee! :)

Hier fängt dann die entweder schlechte oder absichtlich schlechte Beratung an Früchte zu tragen. Mindestens, wenn der zu beratende Gesetzdichter genauso wenig Ahnung von IT hat, wie es die ganzen Abmahnbetrüger haben, die den noch ahnungsloseren Zeitgenossen Geld und Nerven stehlen. (Berechtigte Abmahner nehme ich aus Abmahngefährdungsgründen mal aus! :) )

Gerichtlich ist bereits festgehalten, dass ein WLAN gesichert sein muss. Dafür soll das aktuell normale Sicherheitsniveau ausreichend sein. Das sollte momentan so für WPA/WPA 2 gelten. (Randbemerkung: Ihr solltet noch das Senden der SSID ausschalten und ein Passwort nutzen, das mehr als 30 Zeichen besitzt. Nur so eine Empfehlung. Beispiel: )cm_?dd*b+g48-KhT*3vyg3t5&[L oder hier.) Dieses WLAN-Absichern sollte aber eigentlich kaum mehr gerichtsrelevant sein. (Wer bitte hackt oder dringt in ein WLAN ein, um Filme zu streamen und Musik runterzuladen? So tief kann ich jetzt nicht wirklich sinken, um mir das vorzustellen.) Wenn mehrere Nutzer in diesem WLAN sind, können Abmahner (nach meiner Wahrnehmung) keinen Anspruch mehr durchsetzen. Hier kommt jetzt auch das Problem an die Oberfläche. Dieses Änderungsgesetz wird wieder eine Menge Abmahnungen nach sich ziehen, weil es aus technischer Sicht neuen Interpretationsspielraum zulässt. Die Geschichte mit den anderen möglichen Nutzern, kann jetzt nämlich unterlaufen werden. Abgemahnte zwingt dieses Gesetz wegen denen gegen sie erhobenen Beschuldigungen beweiskräftige Abwehrmaßnahmen zu präsentieren. Die aktuelle Rechtsprechung wird damit unterlaufen. Betroffene müssen sich noch stärker verteidigen als bisher. Selbst, wenn die Behauptungen erstunken und erlogen sind, und einem kundigen Typen mitten ins Gesicht kotzen.

Erklärung zu den Gefahren für Abgemahnte durch diese Gesetzänderung:

Wenn ich Abmahner bin und eine ahnungslose Familie abgemahnt habe, dann ist diese Familie – besonders der offizielle Anschlussinhaber, wenn er meint nicht verantwortlich zu sein – in der Pflicht nachzuweisen, dass entweder der Anschluss nicht genutzt wurde, oder welche Personen den Anschluss genutzt haben bzw. Zugriff darauf hatten. Die bereits genannte Nutzer-Liste mit Namen muss er also vorlegen. Das ist das, was dem Gesetzentwurf entnommen werden kann. Das ist das, was mittlerweile bei Gericht dazu führt, dass Abmahner scheitern, weil ein Täter nicht genau festgestellt werden kann.

Vielleicht interessiert Dich noch:   SPD will Kinderehen erlauben (geleakte Dokumente)

Kommen wir aber zur Auslegungssache: Mir als Abmahner reicht das nicht, weil ich an das Geld der Familie so nicht herankomme. Also werde ich vor Gericht verlangen, dass der Privathaushalt mir die Liste vorlegt, die die angemeldeten Benutzer während des Tatzeitpunktes auflistet, den ich als Abmahner mit meiner (üblicherweise nicht vorhandenen oder funktionstüchtigen) Recherchesoftware zur Verfolgung eines Urheberrechtsverstoßes festgestellt habe (, für ein urheberrechtlich geschütztes Werk, an dem ich noch nicht einmal geldbringende Veräußerungsrechte besitze). Um den Anschlussinhaber zu identifizieren, musste ich vor Gericht jedenfalls nur glaubhaft machen, dass ich mit meiner Zaubersoftware die IP-Adresse und den Zeitstempel ordentlich festgestellt habe. Übliche Praxis vor Gericht. Damit kommt man durch. Und jetzt muss der Beschuldigte offen legen, wer zur Tatzeit online war. Das geht tatsächlich mit handelsüblicher Hardware. Ist deshalb machbar und geeignet, um die Unschuld des Anschlussinhabers zu beweisen und den Täter zu identifizieren.

Und jetzt werde ich die Familie schwimmen und zittern sehen, weil sie das nicht kann. Ich als Abmahner werde dem Richter erzählen, dass laut Telemediengesetz Anschlussinhaber, die anderen Personen Zugang gewähren, verpflichtet sind geeignete Maßnahmen zu treffen, um die Namen der Nutzer zu kennen, die den Internetzugang zum Glühen bringen. Und das natürlich eine bloße Namensliste nicht ausreicht, sondern die entsprechenden Logfiles der Internetnutzung dem als Basis dienen müssen. Anders hätte das Gesetz ja gar keine Möglichkeit irgendeine Wirkung zu entfalten und eine Gesetzänderung wäre nicht nötig gewesen. Oder? Da die Familie keine Maßnahmen zur Identifizierung für den Tatzeitpunkt umgesetzt hat, hat der Anschlussinhaber gegen das TMG verstoßen und wird die Abmahnkosten tragen müssen. (Warum hat die Abmahnindustrie mich eigentlich noch nicht eingestellt? Ich bin eine Goldgrube!)

Wenn man diese ganze TMG-Geschichte also konsequent zu Ende denkt, hat das Gesetz folgende Auswirkungen:

0. Ihr müsst Internetzugangsgeräte besitzen und einsetzen, die es Euch erlauben Nutzerkonten für Eure Mitsurfer zu erstellen. Aber nicht nur das. Aus Sicherheitsgründen müssen die Nutzer die Möglichkeit haben sich ein eigenes Passwort auszuwählen. Ihr müsst Ihre Kennung entweder aktiv mit ihnen anlegen und sie tippen lassen, oder eine ziemlich teure Infrastruktur einkaufen. Ihr seid ja alle so am Arsch! Wenn Ihr das mit dem Passwort nicht macht, könnte der Mitsurfer die Position vertreten, dass Ihr seine Zugangsdaten missbraucht habt. Ihr habt ja das Passwort vergeben und wisst es somit auch.

1. Alle privaten Haushalte müssen sich einen Syslog-Server ins Haus stellen, der die Internetnutzung lückenlos dokumentiert. Es können auch Router und Firewalls mit entsprechender Funktion eingesetzt werden. Wichtig ist nur, dass die Daten lange genug gespeichert werden, um auch noch nach zwei Jahren eine Abmahnung, einen Terrorverdacht oder einen falschen Verdacht im Bereich Kriminalität abwehren zu können. Alles zur eigenen Sicherheit! Ihr seid ja alle soo am Arsch!

2. Dieser Syslog-Server sollte mindestens zweimal vorhanden sein, um bei Beschlagnahme bzw. freiwilliger Herausgabe für eine IT-forensische Untersuchung im Nachhinein Auswertungsergebnisse oder Manipulationen nachweisen zu können. Zur eigenen Sicherheit! Alternativ regelmäßige IT-forensische Sicherungen! Ihr seid ja alle sooo am Arsch! Natürlich müsstet Ihr weiter mitloggen, wenn das Hauptgerät mal weg oder defekt ist. Sind Eure Überwachungsaufzeichnungen lückenhaft, könntet Ihr ja eine Urheberrechtsverletzung vertuschen wollen. ;)

3. Die Vorratsdatenspeicherung ist umgesetzt! Und herzlichen Glückwunsch: Die Stasi in der DDR war ein Mückenschiss gegen den hier etablierten Überwachungswahn, denn in TMG-Land 2.0 überwachen wir uns alle selbst und stellen es der Contentindustrie, Abmahnern und den Sicherheitsbehörden gerne zur Verfügung. Richtig tief gesunken, sind sie im SPD-geführten Ministerium, als sie diese Maßnahmen mit Angst und Schutz vor Kinderpornographie begründeten. Mit diesem Schlagwort geben sie der Urheberrechtsgeschichte mehr Dramatik. Wer also ein MP3 eines bekannten Songs herunterlädt, oder einen aktuellen Kinofilm in schlechter Qualität streamt oder über Torrents tauscht, ist natürlich ein genauso schlimmer Verbrecher wie ein Kinderpornographiekonsument. Damit sind die Fronten klar! Und der Peis sich aus Urheberrechtsverstößen freizukaufen auch. Sollte etwa bei 5.000 Euro liegen. Ihr seid gegen diese Änderung? Dann wisst Ihr was Ihr seid! Habt Ihr schon Angst gegen dieses Gesetz zu sein? Ja? Gut! Nein? Keine Sorge! Ihr steht auf der Liste! Zur Sicherheit! Ihr seid ja alle so am Arsch!

4. Da Ihr Kommunikationsdaten speichert, müsst Ihr euren WLAN-Nutzern eine Datenschutzvereinbarung zur Unterschrift vorlegen oder im Loginfenster zur Internetanmeldung einen entsprechenden Disclaimer einblenden, den es zu bestätigen gilt. Ganz so wie im Hotel. Ihr verarbeitet und speichert nämlich persönliche und Kommunikationsdaten der Nutzer! Und Ihr räumt Euch natürlich gegenüber Euren Nutzern das Recht zur Weitergabe der Daten ein! Müsst Ihr ja! Ihr gebt die Daten ja vielleicht mal an Abmahner heraus, um Euren eigenen Hintern zu retten. Ihr seid ja alle sowas von am Arsch und habt bald keine Freunde mehr! Um es lustig zu gestalten und zu prüfen, ob Eure Nutzer den Disclaimer lesen, könntet Ihr noch reinschreiben, dass das Erstgeborene Euch gehört und monatliche Gebühren für den Internetzugang anfallen. :)

(

5. Euer Syslog-Server muss so abgesichert sein, dass kein Dritter darauf Zugriff hat. Wäre doch schade, wenn Euch Eure besten Kumpels wegen Verstoßes gegen den Datenschutz verklagen?

Vielleicht interessiert Dich noch:   Oh Windows 10, mein Windows 10

6. Äußerst ärgerlich ist die Tatsache, dass Ihr die Maßnahmen umsetzen müsst, wenn mindestens zwei Leutz für die Nutzung freigegeben sind. Es geht nicht nur um Fremde in Eurem LAN. Es geht um ALLE! Auch Eure Familie! Geil, oder? Ihr seid ja alle so richtig am Arsch! Fragt mal Eure Frau was sie mit Euch tut, wenn Ihr ihr eine Datenschutzvereinbarung vor die Nase haltet. Oder Euer im Surfalter befindliches minderjähriges Kind? Vor allem: Ihr speichert deren Nutzungsverhalten!!! Kommt sicher in jeder Familie gut an!!! Wie Lenin wohl schon gesagt hat: Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!

)

Statt endlich den Abmahnwahn zu beenden und den Abmahnern eine Beweisführung abzuverlangen, die über das bisherige Behaupten und Lügen hinausgeht, wird es den normalen Internetnutzern noch schwieriger gemacht sich zu verteidigen. Wer schlicht keine Ahnung hat, kann sich bei einer gut vorbereiteten Abmahncrew nur mit knallharter Selbstüberwachung verteidigen. Das kostet Geld, Strom und Zeit und muss ebenfalls einer IT-technischen Prüfung standhalten.

Man kann nur hoffen, dass in den Gerichten die Richter in Zukunft IP-Inhaber-Auskunftsersuchen mehr und mehr pauschal ablehnen. Die digitalen Vorwürfe der Abmahner (Vor allem Massenabmahner!) sind in der Regel keine sicheren IT-technisch bzw. IT-forensisch erhobenen Beweise. Es sind nur Behauptungen. Mit solchen Gesetzen reichen aber blanke selbst erlogene Behauptungen aus, um Unschuldige in eine Lage zu bringen in der sie sich von vornherein nicht verteidigen können. Ein Rechtsstaat sieht anders aus!

Kann man sich aber versuchen zu verteidigen? Klar! Ist aber ein bisschen kostspielig und aufwendig.

1. An Eurem Router/Firewall arbeitet Ihr nur noch mit Whitelists. Es können nur noch Webseiten angesurft werden, die Ihr erlaubt.

2. Ihr arbeitet mit Anwendungsüberwachung. Ihr lasst nur die Anwendungen (in der Regel Protokolle) in das Internet, die Ihr erlaubt. Sperrt Ihr P2P-Tauschbörsen, könnt Ihr auch keine Urheberrechtsverstöße in Tauschbörsen begehen.

3. Ihr loggt die Metadaten Eurer Internetnutzung (und der der Gäste, Freunde und Familie) zwei bis drei Jahre mit! Eure eigene kleine Vorratsdatenspeicherung! :)

4. Weiteren Internetverkehr für ALLE Geräte und Nutzer in eurem Netzwerk organisiert Ihr ausschließlich über VPN-Anbieter. Über die VPN-Anbieter geht Ihr bspw. in Staaten wie Schweden, Schweiz, Russland, Ägypten, Isle of Man, Island, Panama oder Brasilien ins Netz. Ihr betreibt sogenanntes Internetzugangspunktoutsourcing. Dieser Traffic wird keine Logdaten in eurem Syslog produzieren die irgendeine Aussagekraft haben und auch von keiner Abmahnmafia genutzt werden kann. Diese Vereinigungen verfolgen deutsche IP-Adressen. In anderen Staaten kann dieser durch ein SPD geführtes Ministerium geplanter gesetzlich legitimierter Abzockbaukasten nicht angewendet werden. *Polemik* Alternativ nutzt Ihr andere Krypto-Netzwerkprotokolle, wie cjdns.

5. Eure Konfigurationsdateien (Whitelist / Anwendungskontrolle) vom Router/Firewall sichert Ihr auf einer CD, druckt sie auch noch aus und legt sie dem Gericht vor. Mit Whitelist und Anwendungskontrolle erspart Ihr Euch das Mitloggen, da Ihr auf die Funktionsfähigkeit Eurer Technik vertraut und entsprechende Verstöße von vornherein technisch unterbindet. Die Technik lasst Ihr natürlich regelmäßig von einem Fachmann prüfen. Aus diesem Grund kann die Software der Abmahner zur Ermittlung der IP-Adresse auch nur fehlerhaft gearbeitet haben. (Die Liste mit allen Anwendern legt Ihr aber der Transparenz wegen trotzdem vor! Und es wäre voll süß von Euch, wenn Ihr mich da eintragen könntet! Wenn der Abmahner nämlich Eure Nutzerliste hat, wird er die auch alle abmahnen wollen! Wird lustig!)
Solltet Ihr aber alles mitloggen, statt eine Whitelist-Strategie zu verfolgen, müsst Ihr natürlich den Log des Tatzeitpunktes ausdrucken. Begründen werdet Ihr diese private Vorratsdatenspeicherung mit der Betrugsmafia, die Euch gerade vor den Richter gezerrt hat und ein TMG, dass entweder wegen Dummheit oder Korruption beschlossen wurde. Bei gesundem Menschenverstand würde kein Abgeordneter einem solchen Gesetz zustimmen!

Update mit Hinweis aus Polizeikreisen (ohne Gewähr auf Richtigkeit):

Was mache ich vor Gericht, wenn mich der Abmahner fragt, ob ich eine Liste aller Personen habe, die zum Tatzeitpunkt online waren?

Wenn Familienangehörige davon betroffen sein könnten, sage ich ihm, dass ich von meinem Aussageverweigerungsrecht (ich muss z.B. keine Angehörigen belasten) Gebrauch mache. Ich kann ihm zwar die Liste nennen, die Familienangehörigen jedoch von dieser Liste streichen, da ich die Namen meiner Familienangehörigen nach § 384 ZPO nicht nennen muss. Das TMG kann mir vielleicht vorschreiben alle Personen zu nennen die zu jedem Zeitpunkt online waren, aber ich muss niemanden (siehe § 383 ZPO, da steht drin wen nicht) nennen, wenn derjenige ein Geldstrafe oder ähnlich wie im Strafrecht überhaupt eine Strafe zu erwarten hat. Dann sieht das Gericht, dass ich meinen Pflichten nachgekommen bin. Trotzdem schaut der Abmahner ins Leere, da ich alles Mögliche umgesetzt habe und er aber trotzdem nicht beweisen kann, ob ich oder nicht ein Angehöriger online war.

 

Zusätzlich zum Thema vielleicht weiterhin interessant:

IP-Adressabfragen bei Urheberrechtsverstoessen und anderen Vergehen

Unsichtbar im Internet

Wie sichere ich meinen PC ab

Gastbeitrag: Wie schütze ich mein WLAN

 

Wer sich einen eigenen Syslog-Server aufsetzen will, kann dieser Anleitung folgen:

Syslog-Server auf einem Raspberry PI

Oder hier

TMG_Syslog

8 Kommentare Das neue Telemediengesetz – Störerhaftung und Vorratsdatenspeicherung für Alle (Update 15.03.2015)

  1. Pingback: #redtube #Abmahnung als Grund für Vorratsdatenspeicherung? | kowabit.de

  2. planktron

    Hallo Hr. Kowalski!

    V.a. Ihre Rechercheleistung bei der U+C-Redtubenummer habe ich sehr goutiert, in vorliegendem Fall habe ich aber aufgrund leidiger Erfahrung Anmerkungen.

    1) Es reicht vor den wenigsten Amtsgerichten/LGs zu postulieren, Dritte hätten noch Zugriff gehabt. Auch verwechselt der ‘Polizeikreiseinsender’ hier die Vortragslast in Zivilverfahren. Lesen Sie doch mal bei Deutschlands aktivstem Abmahner die Originalurteile der bundesweiten Gerichte dazu:

    http://news.waldorf-frommer.de/tag/sekundaere-darlegungslast/

    Natürlich veröffentlichen die nur jene Urteile, in welchen obsiegt wurde und bundesweit ist die Rechtsprechung sicherlich nicht einheitlich. Da sind Klopfer dabei, verurteilt wg. fehlender Nachforschung im Familienverbund, etc… alles aus 2014/2015. Täter muss man nicht benennen und als Familienangehörige/r kann man die Aussage verweigern, wenn Sie aber ihrer sekundären Darlegungslast nachkommen wollen ( und das müssen Sie als Anschlussinhaber lt. BGH) müssen Sie die zugriffsberechtigten Personen nennen. Auch Familie. Können Sie auch lassen, so Sie die Ermittlung aber nicht bestreiten ( Gutachten ab 5000Euro) steht die Rechtsverletzung fest und ihr Sachvortrag sie wären es nicht gewesen ist bisschen arg schwach.

    Ich wurde damals von einem bekannten Fachanwalt vertreten, das letzte was der rät ist die Ermittlung zu bestreiten. O-Ton: Machen Sie das nur wenn sie 100% sicher sind, dass über ihren Anschluss nichts hochgeladen wurde, ipoque ist nicht Urmann, ihm sind mehr als 20 Gutachten von gerichtlich bestellten Sachverständigen bekannt, alle pro Waldorf/ipoque. Einige dieser Urteile sind auch auf der Kanzleiseite, Tag ipoque.

    Es ist leider wirklich nicht einfach sich dagegen zu wehren, außer man hat schönen Sachvortrag und schön viele belehrte ( minderjährige) Mitnutzer. Grüße!

    1. Klemens Kowalski

      Ich bin auch eher ein Vertreter der technischen Gegenwehr! Ich glaube fest, dass damit so gut wie jede Abmahnung zu Fall gebracht werden kann. Was das Aussageverweigerungsrecht betrifft – nun, da bin ich kein Anwalt. Und ja: Jeder Fall und jedes Gericht sind ein neues Abenteuer.

    2. Klemens Kowalski

      Das ipoque-Werkzeug ist nach meiner Auffassung und einigem MAterial was ich noch ergooglen konnte auch nicht wirklich der Brüller.

      Nimm einen PC – Gib Ihm einen Namen (Beispiel aus AG_München_155_C_12772_13: “Peer-to-peer Forensic System”), installiere Wireshark und BitTorrent, starte Download, aktiviere das Mitschreiben von Wireshark, stoppe nach dem Download und filtere IP-Adressen. Mit Glück sind deutsche Anschlüsse dabei. BitTorrent ist ja nicht auf Deutschland beschränkt. Anschließend frage einen Kumpel mit Dr.Dr.-Titel ob er begutachten kann, dass der PC mit dem oben angegebenen Namen IP-Kommunikation mitschneiden kann.

      Der Richter muss es nur glauben. Ich werde mir mal ab und an ein Waldorf-Urteil schnappen und durcharbeiten und mal nachbauen, nachschreiben und online stellen.

  3. Admin

    syslogd ist nicht revisionssicher. Da musst Du schon was Grösseres auffahren.

    Wie wärs mit täglichem Versand des Logfiles per DE-Mail ;)
    (scnr)

  4. Admin

    – Anwendungskontrolle für lau: http://www.ipfire.org (kann man auf nem billigen (Strom! 1W == 3 EUR p.a.!) Raspberry Pi laufen lassen).
    – VPN: Da kommt Dein Tipp von vor ein paar Monaten wieder zum Tragen: http://www.frootvpn.com , sind sogar recht performant.

    P.S. Deine Panik bzgl. Abmahnern verstehe ich nicht ganz. Du präsentierst die übliche Liste weiterer Verdächtiger und gut ist.
    Ich sehe es eher als Werk der Provider (übrigens nicht nur der Mobilfunkanbieter), die freie Netzwerke unterbinden wollen. Sonst brauchen viel weniger Menschen einen teuren Knebelvertrag vom ISP/Mobilfunkanbieter.

Kommentare sind geschlossen.