Unsichtbar #3 – Datensparsamkeit

Wenn wir Online-Shops, Diskussionsforen oder Dienstleistungsportale nutzen, müssen wir in der Regel Daten hinterlassen. Und die Angebote im Internet sind vielfältiger, als Geschäfte in einer Shopping-Mall. Nur hinterlassen wir beim Bezahlen in Shoppingzentren nicht bei jedem kleinen Geschäft eine Fülle von persönlichen Daten. Das würde uns als Kunden doch eher abschrecken. Oder? Im Internet aber hinterlegen wir gerne und schnell Daten bei uns fremden Anbietern.

Um welche persönlichen Daten geht es?

  • Foto(s) für Profile
  • Geburtsdatum
  • Geburtsort
  • E-Mail-Adresse(n)
  • Postadresse(n)
  • Telefonnummer(n)
  • Homepage
  • Benutzername(n)

Würdet Ihr diese Daten beim Schuhverkäufer oder der Apotheke hinterlassen wollen? Nur um einkaufen zu können? Oder würdet Ihr alle diese Daten einem Frisör geben, damit er Euch die Haare schneidet?

Wenn wir im Shoppingzentrum Unterhaltungen führen, auf einer Bank sitzen und eine Zeitung lesen oder Arbeitskollegen treffen, dann sind das Metadaten, die eine Menge über uns aussagen. Wollen wir, dass das, was dort geschieht, also der Inhalt von Unterhaltungen, welche Zeitungsartikel wir gelesen haben oder Informationen über unsere Arbeitsstelle irgendwo festgehalten werden? Wohl eher nicht, oder?

Wenn wir aktiv im Web sind, dann können schnell Verbindungen aufgebaut werden zu:

  • Arbeitgeber
  • politische Einstellung
  • sexuelle Vorlieben
  • Einkommenshöhe
  • Grundsätzlich Beiträge in Diskussionsforen unter dem eigenen Klarnamen (,oder auch Benutzernamen die immer wieder genutzt werden)

Diese Daten bleiben im Internet bei anderen Personen und Organisationen und Firmen gespeichert! Sie sind nicht so flüchtig wie der kurzzeitige Shoppingausflug. Und was gespeichert wird, kann später wieder genutzt werden.

Die größte Gefahr besteht dann bei der Analyse des Verhaltens, verknüpft mit den persönlichen Daten und den eigenen Aktivitäten:

  • unverschlüsselte Kommunikationsinhalte (E-Mail, Messenger, Chats)
  • heruntergeladene Dateien
  • Historien
  • Suchbegriffe
  • Genutzte Software, Apps aber auch Hardware
  • Kontakte zu anderen Personen
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Bestseller sind zusätzlich Sicherheitsfragen wie:

  • Wie heißt Deine Mutter?
  • Wie heißt Dein Haustier?
  • Wo wurdest Du geboren?

Sicherheitsfragen bieten tatsächlich zusätzliche Einblicke in das Leben eines Menschen! Wahrscheinlich noch nie aufgefallen, oder?

Alles das ermöglicht es Profile anzulegen und auszunutzen. Nicht nur für Werbung und diesen ganzen SPAM von Contentanbietern, die kaum mehr Klasse haben. Diese Daten können von Gegnern bzw. Kriminellen genutzt werden, um mit Euren realen Daten Eure Identität anzunehmen oder auszunutzen. Umso mehr Ihr preisgebt, egal wie verteilt, umso anfälliger seid Ihr!

Dabei geht es noch nicht einmal um die öffentlich abgreifbaren Daten. Jeder Service und Shop bei dem Ihr Euch anmeldet, ist angreifbar. Ist hackbar! Ihr erinnert Euch bestimmt an den großen Adobehack mit 38 Millionen Kundendaten und weiteren Vorfällen. Aber seien wir ehrlich! Wurde nur Adobe gehackt? Nein! IHR wurdet gehackt. Eure Daten! Ihr seid das Opfer gewesen! (Wenn Ihr denn Opfer gewesen seid!) Wem hat es geschadet? Adobe jedenfalls nicht! Warum? Weil es weltweit bisher keinen effektiven Datenschutz gibt! Wie müsste der aussehen? Ganz einfach: Kunde A ist mit seinen Daten bei Firma X registriert. Firma X wird gehackt! Kunde A ist Opfer. Kunde A hat Anspruch auf Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld! Und der Betrag muss wehtun! Anders investieren Unternehmen nicht in Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Daten. Wenn das Risiko Nichts zu tun teurer wird, als gute Maßnahmen, dann werden sie Geld in effektive Schutzmaßnahmen investieren! Alle!

Deshalb ist Datensparsamkeit Eure Aufgabe! Sichtet Eure E-Mail-Postfächer nach Newslettern und Angeboten von Firmen und Shops und Foren, die Ihr schon lange nicht mehr genutzt habt. Meldet Euch dann aber nicht nur bei den Newslettern ab, sondern gleich beim ganzen Portal bzw. fordert die Löschung Eurer steuerlich nicht relevanten Daten und Zugangsmöglichkeiten.

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Prüft einfach mal, ob Ihr in sozialen Netzwerken wirklich so aktiv seid, dass sich eine Mitgliedschaft lohnt. Prüft Beiträge in Onlineforen, ob sie aktuell noch Eure Meinung widerspiegeln. Wenn nicht, löscht sie! Wenn Ihr den Service nicht mehr nutzt, löscht Euer komplettes Profil. Ihr werdet es nicht vermissen! Und bitte nutzt aufgrund der Struktur des Internets nur Dienste, die geografisch und strukturell dort Ihren Hauptsitz haben, wo Ihr sie jederzeit verklagen könnt! In den USA bspw. habt Ihr doch gar keine Chance!

Und wenn Ihr in Zukunft vor der Aufgabe steht mal irgendwelche Daten von Euch bei irgendwelchen bisher unbekannten Shops und Serviceanbietern hinterlegen zu müssen oder nicht, entscheidet Euch dafür es nicht zu tun. Den meisten Müll den wir alle online bestellen, den bekommen wir auch beim Offlineshopping. Das ist dann auch gleich eine gute Maßnahme unseren Innenstädten wieder Leben einzuhauchen. Das Internet ist nicht günstiger. Eure Daten und die Versandkosten sind in der Regel für einen viel höheren Preis verantwortlich. ;)