2020, Blog

Die Sache mit den Appstores

Ihr habt sicher davon gelesen. Epic Games App Fortnite wurde aus dem Apple-Store und aus dem Google Play-Store entfernt. Der Grund: Verstoß gegen deren Richtlinien. Da Epic-Games den Nutzern erlaubt außerhalb des Stores Käufe zu erledigen, geht der Streit jetzt vor Gericht. Die Storeanbieter wollen mitverdienen. Satte 30% muss ein App-Entwickler oder eine Firma an die Stores abdrücken. Das ist heftig.

Dagegen klagt Epic Games. Sie wollen die hohen Gebühren bzw. Beteiligungen nicht mehr zahlen. Apple geht sogar so weit, auch die Unreal Engine zu sperren. Eine Grundlage für viele Apps. Das digitale Blutvergießen wird viele andere Kriegsparteien auf das Schlachtfeld rufen. Es wird angeführt, dass bspw. Amazon einen großzügigen Rabatt erhält. Dort müssen nur 15% abgeführt werden.

Doch schauen wir mal was dahinter steckt. Aus dem Bauch sage ich klar: 30% ist zu viel. Ist es das aber wirklich?

Für Store-Anbieter, die eine große Reichweite haben, bezahlt man natürlich. Eine große Kundenbasis wird geboten und durch weitere eigene Angebote angelockt oder gehalten. Egal ob man nun Apple oder Android mit Google gut findet oder nicht. Eine große Kundenbasis ist da und wurde über Jahre gepflegt oder gebunden.

Wer also als App-Entwickler keine anderen Wege gehen will, muss in diesen sauren Apfel beißen. Bei Android gibt es noch Store-Alternativen oder die Möglichkeit der Installation aus fremder Quelle. Die Kundenbasis bei alternativen Stores ist aber in der Regel kleiner.

Oder man baut sich ein eigenes Ökosystem auf. Geht alles. Ist nur teurer und man muss seine Kunden wieder neu finden. Monopolismus ist eben Scheiße. Aber seien wir ehrlich: Alle haben sich mit den Monopolen eingerichtet und Alternativen nicht unterstützt, jetzt müssen sie (wir) es ausbaden.

Ich vergleiche das gerne mit dem Kauf von Hühnereiern. Wenn ich möchte, dass der Produzent, der Bauer, einen guten Verdienst hat, fahre ich direkt zum Bauernhof um die Ecke und kaufe direkt. Nicht unbedingt günstiger, aber die Logistikkosten großer Transporte fallen weg und die Umsatzbeteiligungen der Zwischenhändler auch. Aber das machen im Grunde nicht alle, sondern nur die, die die Möglichkeit haben. Den ökologischen Fußabdruck durch meine zusätzliche Autofahrt mal nicht mit eingerechnet.

Im App-Bereich ist es genauso. Man kann einen kleinen Bauernhof aufbauen, aber den Weg werden nur Wenige finden. Außer man investiert in Marketing und in mehr Attraktivität für den eigenen digitalen Bauernhof mit einem gigantischen Zusatzangebot. Dann könnten jedoch die Preise steigen, oder, wenn man andere Bauern auf seinem Hof ihre Eier verkaufen lässt eben Gebühren fällig werden.

Sind 30% jetzt viel? Ja.

Sind sie berechtigt? Ja.

Leider, muss ich sagen.

App-Entwickler fahren jedoch noch ziemlich gut.

Nehmen wir mal ein Beispiel. Ich hatte in diesem Beitrag über eine Broschüre geschrieben, die ich selbst veröffentlicht habe. Dabei geht es um praktische Ideen für einen Pandemieplan im betrieblichen Notfallmanagement. Das ist eine gedruckte Broschüre, keine App.

Die Broschüre kostet 7 Euro. Ich verdiene an Ihr ca. 1,50 Euro. Das aber auch nur, weil der Anbieter bei dem ich das Teil veröffentliche mich zwingt mindestens 6,99 € zu verlangen. Ich könnte sonst auch weniger. Die restlichen 5,50 Euro gehen an die Druckerei, den Vertrieb und den Buchhandel. Gerade im Print on Demand – Bereich wird den Autoren oft empfohlen einen Preis festzulegen, der nur etwa 10% als eigene Marge übrig lässt. Mein Verdienst liegt jetzt gezwungener Maßen bei ca. 22 %. Ich kann damit leben. 😀

Für dieses gedruckte physikalische Produkt gehen also 78% der Einnahmen an andere Partner.

Würde ich diese Broschüre als Ebook herausgeben, würde über den normalen Buchhandel im Verkauf ca. 50% abzugeben sein.

Wenn ich mich entschließen würde meine Broschüre als App herauszugeben und über die Stores zu verkaufen, würde ich günstiger verkaufen können, mehr Leute ansprechen können und bei Erfolg auch mehr Einnahmen generieren. Aber ein Buch als App? Würde ich nie kaufen. Also fehlt mir die Überzeugung es so zu verkaufen.

Ich habe im letzten Jahr testweise mal ein kleines Ebook herausgegeben, es aber nie beworben. Mittlerweile habe ich es vom Buchmarkt zurückgezogen. Experiment war erfolgreich. Tatsächlich wollte ich schauen wie der Weg des Buches ist. Bspw. wurde das Buch auch auf diesen Online-Buch-Ausleihe-Portalen mal gelesen. Meine Autorenvergütung? Abgerechnet: 0,00 Euro. Deshalb halte ich von Ebooks nichts. Also nicht aus Sicht eines Autoren der den normalen Vertriebsweg geht. Was ein Autor wirklich bekommt, ist da eher Glückssache.

Ich hatte oben im Artikel mit dem Satz, Zitat: „Das digitale Blutvergießen wird viele andere Kriegsparteien auf das Schlachtfeld rufen.“, einen Artikel verlinkt, dass auch Verlage weniger als 30% zahlen wollen. Tja. Mehrere Löwen in einem Areal funktioniert eben nicht. Es kann nur einer König sein im Raubtier-Kapitalismus.

Aber zurück zu den Apps. Viele Apps bieten den Kauf von Gutscheinen an Supermarktkassen an. Andere Apps bieten Onlinekäufe an. Bspw. musste ich vor Kurzem einer Nichte Guthaben für Roblox kaufen. Checkt die Smartphones eurer Kinder und löscht die App. Nur so eine Empfehlung von einem Vater. Grausame App. Völlig sinnloses Geldverbrennen. Manchmal kommt man aber nicht mehr daran vorbei. Leider. Wenn Apple und Google konsequent sind, werden sie viele namhafte und begehrte Apps aus ihren Stores verbannen müssen. Ich frage mich sogar, ob die Mobilfunkanbieter, bei denen man mittlerweile per App Guthaben aufladen kann an die Stores abdrücken. Sonderkonditionen für große Anbieter wie Amazon könnte deren Geschäftsmodell jedoch viel eher gefährden als eine Klage von Epic. Es liegt eben nahe, dass die Richtlinien nicht für alle gleich gelten. Dann ist das Monopol angreifbar, weil es ausgenutzt wird anderen großen Playern kein Auge raus zu picken.

Ich halte 30% Anteile für die Unterstützung beim Verkauf an einer kreativen Leistung bedauerlicherweise nicht für zu hoch. Rein aus der Praxis. Bei anderen Produkten – meist physischen Produkten – müssen Produzenten sogar noch mehr Verzicht üben. So lange jedoch Kunden auf digitale Monopole setzen, aber auch Hersteller deren Plattformen nutzen, muss sich niemand über Ärgernisse den Kopf zerbrechen. Alternativen existieren für Alles auf dieser Welt. Sie sind aber eben oft nicht stark genug und bedeuten für den einzelnen Menschen Umgewöhnung. Bei Android existieren jedenfalls Alternativen. Apple ist dahingehend eher angreifbar. Aber ob Apple überlebt oder nicht, ist für mich wie der legendäre Sack Reis. Ich nehme Apple-Nutzer – auch, wenn hier durchaus viele Nutzer der Geräte mitlesen – nicht ernst. Die Abhängigkeit in die sie sich begeben, würde mich in meinem Freiheitsempfinden zu sehr beschneiden. Habe Euch aber trotzdem lieb. 🙂

Übrigens können Entwickler für zwei Jahre im Appstore von Huawei – der Huawei App Gallery – 85% der Einnahmen behalten. Nur mal so am Rande. Aber auch dort ist normalerweise die Aufteilung 70:30. Für App mit Bildungsinhalten normalerweise 80:20. Es ist also Normalität unter den Monopolen.

Für Android-Entwickler bietet sich bspw. noch der App-Store uptodown an, den ich in einem Folgebeitrag in einem anderen Zusammenhang vorstellen will. Dort ist in den Richtlinien eine grundsätzliche Aufteilung von 80:20 vorgesehen (7.4). Aber nicht nur für den Kaufpreis der App, sondern auch für In-App-Käufe. Wir befinden uns hier in der Realität. App-Entwickler können also ausweichen, aber auch kleine Stores wie uptodown müssen kalkulieren.

Epic Games und andere kämpfen hier gegen die gelebte Realität. Jetzt werden Gerichte entscheiden, ob die Store-Anbieter Ihre Monopolstellung missbrauchen, oder eben nicht. Android kann offen sagen, dass es für jeden Nutzer und Entwickler Ausweichmöglichkeiten gibt. Apple ist ein geschlossenes System ohne Ausweichmöglichkeit. Aber wie bereits geschrieben: Der legendäre Sack Reis.

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