Einfach mal machen

So. Der 24. September ist vorbei. Wie jetzt? Aber heute ist doch erst der 15.09.? Anders gesagt: Erfahrungsgemäß für Wahlkämpfer ist ca. 1 Woche vorher die Sache gelaufen. Das merkt man, wenn man auf der Straße ist und noch Termine wahrnimmt. Nur noch ein paar Pflichttermine. Einige stramme Parteisoldaten versuchen es dennoch brutal auf den letzten Metern. Wer jetzt noch unentschlossen ist, sollte vielleicht darüber nachdenken strategisch zu wählen. Gerade, wenn er keine Rechtsradikalen im Parlament sehen will. Ich war jetzt gut drei Monate damit beschäftigt. Ich kandidier(t)e im Wahlkreis 30 für den Bundestag. Nur Direktkandidatur. Für DIE LINKE. Kein Listenplatz. Einzug in den Bundestag? Ausichtslos. Aber eine Menge interessanter Erfahrungen und Eindrücke gewonnen. Und davon möchte ich jetzt erzählen, auch, wenn die Schlacht noch nicht geschlagen ist. Von Langeweile, Todeswünschen, Onlinemarketing, Provokationen, Merkwürdigkeiten, SPAM und Spaß.

Wenn man Kandidat wird steht das auch in der Zeitung. Jetzt ist es nicht so, dass ich das nicht kenne. Da ich kommunalpolitisch aktiv bin, ist das nicht neu für mich. Aber die Reaktionen waren ein bisschen besorgniserregend. Leute, die mich kennen, sprachen mich an, ob ich denn in Buxtehude leben bleibe. Erst wusste ich gar nicht was gemeint war. Aber es stellte sich heraus, dass einige Bekannte und Leser durch die Kandidatur dachten, dass ich so gut wie im Bundestag bin, weil die Partei ja locker 5% nimmt. Durch alle Altersklassen hindurch war der Unterschied zwischen Erststimme und Zweitstimme und die Funktion von Landeslisten der Parteien völlig unbekannt. Das führte auch zu stellenweise merkwürdigen Kommentaren mir gegenüber: Jetzt, wo Du so viel Geld bekommst …. Geld? Als Kandidat? Ich kann froh sein, dass ich in einer kleinen Partei Mitglied bin. Die Direktkandidaten mit aussichtsreichen Chancen aus den großen Parteien müssen nicht selten fünfstellige Beträge opfern. So gut, wie einige glauben, geht es Abgeordneten wirklich nicht. Um dabeibleiben zu können, ist man entweder ein totaler Killerabgeordneter, oder hat ziemlich viele Rechnungen zu zahlen.

Wurde man aufgestellt, müssen die Unterlagen von einem Gremium geprüft werden und irgendwann wird man zugelassen. Davon merkt man nichts. Irgendwann ruft die eigene Partei Dich an und sagt Dir: Alles klar! Bis ungefähr 10 Wochen vor der Wahl ist es dann auch ziemlich langweilig. Homepage vorbereiten. Wahlkampfstände planen. Termine und Einladungen ordnen. Alles völlig normaler Verwaltungskram. Einladungen zu Diskussionen von Gewerkschaften, Zeitungen, der eigenen Partei und vor allem Schulen gehören dazu. Da ich bei den Linken bin und konservative Leute und Unternehmen sich aus irgendwelchen Gründen immernoch in die Hosen machen, wenn man den Raum betritt, hatte ich aber mehr Freizeit, da Handwerkskammern und ähnliche Organisationen auf eine Einladung ganz verzichteten. Ich behaupte ja immer noch aus Angst, da die anderen Parteien so blass aussehen neben mir. Wer in den letzten zwei Jahrzehnten regiert hat und immer noch nicht weiß was nötig ist, der brauch natürlich keine Konkurrenz, die es vielleicht besser weiß. Und ein Großteil der Leute nimmt lieber Beruhigungspillen statt eine harte politische Auseinandersetzung zu führen. ;)

Ich konnte bei mir in der Partei die Leute überzeugen Geld in die Hand zu nehmen, um Onlinewerbung auszuprobieren. Auf Twitter und Facebook. Einfach mal testen. Werbung auf Twitter war ganz okay. Eine großartige geographische Einschränkung war aber kaum möglich. Also musste man eher pauschal Werbung für Hyperlinks mit allgemeinem Interesse machen. Durch verschiedene Schlagworte habe ich dafür sorgen können, dass unsere Linke Werbung gezielt bei Leuten angezeigt wurde, die der AfD nahe stehen. War lustig, wenn Antworten kamen: Was suchen die Bolschewisten auf meiner Timeline? Ich halte es für wichtig Menschen aus ihren festgelegten Echoräumen herauszuholen oder mindestens ein entsprechendes Angebot zu machen.
Und ja, wir haben auch Werbung auf Facebook geschaltet. Asche auf mein Haupt. Leser von kowabit.de wissen, dass ich Onlinewerbung ablehne. Und Facebook sowieso. Testen darf man aber! ;) Facebook ist dafür jedoch ein schlechter Geschäftspartner. Bei jeder Veränderung von Anzeigen oder Budgetvorgaben, musste ich ein Foto von mir hochladen, weil sie merkwürdiges Verhalten festgestellt haben wollen. Die Kampagnen liefen zwar weiter und es wurde weiter Geld verdient, aber ca. vier Tage lang war man offline. Yeah! Facebook? Ganz schlechte Wahl! Support? Für Business? Kannste vergessen! Lustig war auch, dass sie manche Anzeige nicht ausliefern wollten. Es sei zu viel Text auf dem Bild. Zur Info: Das Bild war rot und in der Mitte stand: Armut abschaffen. Die Linke. ! Verlinkt zu meiner Homepage. Echt viel Text. Wäre tragisch, wenn das zu viel Text für Facebooknutzer wäre. Ich habe dann Armut abschaffen durch GERECHTIGKEIT ersetzt. Vier Tage Sperrung und alles war wieder gut.
Hier konnte man aber mehr geographische Einschränkungen vornehmen. Im Vergleich zu Zeitungsanzeigen natürlich mit Abstand günstiger im eigenen Wahlkreis. Als kleine lokal operierende Partei, die nicht mehr als 2.000 Euro für so einen Wahlkampf ausgibt, nützt das ne Menge. Rückmeldungen für Veranstaltungen und Werbung waren dann relativ gut. Man kann sagen, dass Facebook genug über die Leute weiß, um ihnen das zu zeigen, was sie wollen. Leider ist das für Wahlkämpfe doof. Ich will ja, dass meine Werbung alle sehen, die mich noch nicht kennen oder sich noch nicht mit mir auseinandergesetzt haben. Hier müsste man noch daran arbeiten. Da Facebook aber keinen Support hat und Feedback und Beschwerden auch nur funktionieren, wenn man sie in die hochzuladenden Bilder integriert, bspw. durch ein fotografiertes Schild mit Text oder in dem das Bild einen Dateinamen erhält, der der Beschwerde entspricht, kannste das vergessen. Ein großer Bekanntenkreis auf Facebook hat nicht eine Anzeige gesehen. Die Unpolitischen haben darauf gewartet. Hoffe ich mal, dass sie dennoch wählen gehen.

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Google war auch lieb zu mir. Anfang September hat Google allen Bundestagskandidaten eine zeitlich befristete Möglichkeit gegeben ein Profil und seine Positionen und Bild über Google-Suchergebnisse zu präsentieren. Wer also den Namen von mir gesucht hat, wurde gleich mit einem politischen Profil von mir beglückt. Damit sind sie natürlich jeder Kritik entgegen getreten, dass sie irgendwen bevorzugen. Das Kanzlerinterview wurde ja explizit auf der Startseite beworben. Kam bei der Konkurrenz nicht so gut an. Google hat seine Marktmacht also genutzt, um allen Kandidat*innen gleiche Chancen zu ermöglichen gefunden zu werden. Ob das jetzt was gebracht hat? Keine Ahnung. Onlinewahlkampf in Deutschland findet eigentlich fast nicht statt. Mein Eindruck. Und dann konnte ich noch nichtmal ein Bild in das Googleprofil hochladen. Google hat das administriert. Aber selbst auf Nachfrage hat man mich einen Button suchen lassen den es nicht gab. Das Schöne: War mir egal. Ist mir egal. Bleibt mir egal. :)

Podiumsdiskussionen sind egal bei welchem Veranstalter eigentlich alle gleich. Kurze Fragerunden, lange Fragerunden, schnelle Antworten oder auch mal Streitgespräche. Ich habe schon eine Menge derartiger Diskussionen gehabt, aber die Killerveranstaltung war im St.Viti-Gymnasium in Zeven. Der Politikkurs der das vorbereitete hat die Kandidaten gute 4 Stunden bearbeitet. Ich war wirklich fertig danach. Aber war toll.
Grundsätzlich muss man als Kandidat immer oberflächlich bleiben. Es ist gar keine Zeit für mehr. Ich habe deshalb auch immer die gleiche Rolle gespielt. Habe mehr Fragen ins Publikum gestellt. Bspw.: Wollen wir in einem Land leben, das akzeptiert, das ab 2030 40% der Rentner und mehr arm sind. Oder wollen wir das verhindern? Wollen wir in einem Überwachungsstaat leben? Wollen wir in einem Land leben, dass sich an ungerechtfertigten Ölkriegen beteiligt? Das Publikum sollte die Frage für sich beantworten. Wenn die normale Frage kam, ob DIE LINKE denn regierungsfähig sei, ist der übliche Konter: Natürlich. Wir haben aber Haltelinien, die wir nicht überschreiten. Am besten sagt Ihr mir (Blick ins Publikum) welche meiner Forderungen ich aufgeben soll: Frieden schaffen, Armut bekämpfen oder in Bildung investieren. Was soll ich opfern? Damit hatte man eigentlich immer alle auf seiner Seite. Da die anderen Kandidaten auch nicht genug Zeit hatten, konnten sie gar nicht in die Tiefe gehen, um mir eines auszuwischen.

Es gab viele persönliche Gespräche. Anrufe, zufällige Treffen, am Rande von Veranstaltungen. In denen, das hatte ich mir von Anfang an fest vorgenommen, bleibe ich ausschließlich ehrlich und bei meiner Meinung. Auch, wenn sie von der Parteilinie abweicht. Das kam ganz gut an. Ich hatte bspw. keine diplomatische Lösung für den Islamischen Staat in Syrien. Viel Glück den Russen. Wenn es um die DDR und SED ging und die Vorwurf aufkam, dass man die Nachfolgeorganisation der SED vertritt, musste ich natürlich korrigieren: Nein, wir sind nicht die Nachfolgeorganisation. Wir sind die SED. Haben uns nur dreimal umbenannt. So ist es nämlich juristisch richtig. Aber Parteien ändern sich. Selbst die CDU hatte mal die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien gefordert. Alles ist in Bewegung. Die Offenheit kam gut an. Da mein Gegenkandidat von der CDU immer stramm die Angstkarte DDR spielte, musste ich mich immer damit beschäftigen. Die Gegenwart und jüngste Vergangenheit ist ja nicht die Stärke der CDU. Andere Themen betraf das auch. Stellenweise frei nach Schnauze, aber ohne Tiefschläge, ohne Beleidigungen, ohne grobe Angriffe. Immer sachlich. Damit konnte man Punkten.

Ich hatte gute Presse. Kein Skandal. Schade eigentlich. Ich finde Skandale durchaus hilfreich, denn alle reden davon. Schlechte Werbung ist gute Werbung. Natürlich sollte es wenn, dann nur ein Skandal sein, der die eigenen Leute mobilisiert. Anecken, provozieren. Die AfD lebt ausschließlich davon einen Skandal zu provozieren und dann rumzuheulen. Ich erspare mir grundsätzlich das Rumheulen. Bin ja kein Weichei. Auf einer Veranstaltung vor gut 50 Leuten fragte ich, ob die Leaks der AfD bekannt sind. Also die Inhalte, die mit dem Landtagsabgeordneten Arppe im Zusammenhang stehen. Da wo viele Funktionäre und Abgeordnete und Mitglieder und Anhänger der Partei ihre ganzen Fantasien und Absichten nach einer Machtergreifung ablassen. Nur eine Person kannte die Zitate. Einer von Fünfzig! Also entschied ich mich sieben in Zeitungen veröffentlichte Zitate vorzulesen. Die Zitate in denen die AfDler von Hinrichtungen der politischen Gegner träumen, Vergewaltigungen von Frauen vorschlagen, Missbrauch von Kindern in Erwägung ziehen und und und. Die Leute sind fast von den Stühlen gekippt. Ich musste mir später Kritik anhören, dass das viel zu hart war. Aber auch das war ein Eindruck im Wahlkampf. Die Leute wollten gar nicht wissen was wirklich passiert. Interesse ja, aber bloß nicht zu tief hinter die Kulissen schauen. Ich fand es aber nicht hilfreich nur meine/unsere linken Ziele abzulassen. Ich wollte einen Rundumschlag. Schönwetterwahlkampf war mir zu langweilig. Ohne Provokation kein Nachdenken!
Nach den Arppe-Leaks habe ich mir jedoch vorgenommen grundsätztlich in keinster Weise mehr mit AfDlern zu versuchen zu diskutieren. Ein NPD-Verbot habe ich immer abgelehnt, weil die Auseinandersetzung um Ideologien zur Demokratie gehört. Aber was seit Wochen und stellenweise Monaten aus der AfD kam, zeigt das abgrundtief Böse in dieser Partei. Sie dulden das über Jahre und sorgen dafür, dass diese Leute Abgeordnete werden. Es gibt tatsächlich Grenzen, die man nicht überschreiten sollte. Das sind aber nicht die Grenzen, die die AfD meint. Und es war bedauerlich, dass einige Wähler glauben jemandem einen Denkzettel mit der Wahl der AfD zu verpassen.
Hier war auch eine Erfahrung an einem Wahlstand von Bedeutung. Nach einem kritischen aber freundlichen Gespräch mit einem älteren Herren, der eindeutig AfD-Anhänger war, bedankte er sich für das nette und ausführliche Gespräch mit mir und verabschiedete sich mit: Aber wenn wir regieren, erschießen wir euch trotzdem. Wer diese Leute wählt, brauch sich nicht in meiner Nähe aufhalten. Wenn AfD-Wähler das hier lesen: Haut ab! Ich verzichte auf Euch! Wer auf diesen Angstwahlkampf reinfällt, soll später nicht so tun als hätte er nichts gewusst.

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Eine lustige Szene spielte sich dann noch in Stade ab. Unser Wahlkampfstand lief so gut, dass wir schon nach 2,5 Stunden alle Materialien verteilt hatten. Also bauten wir den Stand ab. Ich musste nochmal zurück, um den letzen Schirmständer zu holen. Da kam mir im flotten Schritt einer der in der Region tätigen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes entgegen. Man kennt sich. Die Mitarbeiter parken manchmal abseits einer Linken Demo, oder erkundigen sich nach Problemen, wenn mal einer der Fraktionsvorsitzenden aus dem Bundestag zu Besuch kommt. Trotzdem tun sie so, als würden sie niemand kennen oder bewegen sich sehr unauffällig. Ich grinste in seine Richtung. Sofort machte er kehrt, bog rechts ab und ging in das nächste Geschäft. Sensationell. Kann man sich gar nicht ausdenken. Welche der Parteien der Verfassungsschutz jetzt überwachen wollte, ist mir nicht so klar gewesen. Wir verteilten Inhalte, die CDU verschenkte Kartoffeln, die SPD Altpapier, die Grünen waren gar nicht zu sehen, die AfD ängstigte wie immer Rentner*innen.
Ein Rentner fürchtete die ganzen Neger, die jetzt überall hinter jeder Ecke stehen und meinte, dass man sich gar nicht mehr auf die Straße trauen kann. Viele Leute waren für gar nichts mehr zugänglich und irgendwie in einer anderen Welt. Dabei schien die Sonne, viele Leute unterwegs und sogar Polizei zu Fuß auf Streife. Die Älteren traf es am häufigsten. Echt, konnte ich nur fragen: Bei mir sind die schon in der Wohnung. Bin ja mit einer Afrikanerin verheiratet. Letzteres ging dann in seiner Flucht unter. Er wollte eh nicht reden. Grundsätzlich war ein Teil der Gespräche überflüssig. Manche gut gebildete AfD-Anhänger stellten immer Fragen, die man wirklich nicht beantworten konnte. Es ging nicht wirklich um politische Gespräche, sondern nur darum mit seinem Fachwissen den Gesprächspartner bloßzustellen. Kein Bock auf ökologische Politik. Kein Bock auf Ausländer. Lieber ein bisschen Verschwörung hier und dort. Auf die AfD-Leaks angesprochen, gingen sie weiter. Die Mehrheit der Bürger*innen war/ist aber gut drauf und gern bereit zu schnacken.

Die junge Generation war/ist die aufgeschlossenere Wählerschaft. Haben alles mitgenommen, Fragen gestellt, kritisch reflektiert und auch mal Kritik geäußert. Interessant ist, dass das Thema Armut und Altersarmut durchaus präsent ist. Die wissen alle, dass die Löhne und das Rentenniveau zu niedrig sind, um als Normalverdiener nicht altersarm zu sein. Anders als erwartet, war ihnen das bisher immer bewusst. Deshalb war auch durch die Bank weg das Thema Bedingungsloses Grundeinkommen ein Schlager. Ohne wenn und aber brennt dieses Thema in der Jugend. Ich konnte aufgrund des politisch organisierten Diebstahl in der Rentenpolitik und dem niedrigen Lohnniveau in Deutschland auch nur unterstreichen, dass wir hier ein Experiment wagen sollten. Ist in einer Generation erstmal das Feuer für ein Thema geweckt worden, lässt es sich schwer löschen. Und manchmal sollte man es noch anfachen! Umso eher arbeiten politische Vertreter an der Umsetzung. Oft nicht aus Überzeugung. Dem Machterhalt wegen. ;) Wenn, dann aber bitte ein linkes Grundeinkommen und nicht das Verarmungsprogramm der FDP. Anmerkung: Wenn die FDP nicht ins Parlament kommen würde, nur theoretisch, wären wir sie endgültig los. Die sind so Pleite, das würden die nicht überleben! Also liebe Nichtwähler: Geht wählen, aber nicht die FDP oder eine andere rechte Partei.

Ein weiteres Thema bei jungen Leuten war die Digitalisierung. Nicht nur im Bereich Bildung, sondern der grundsätzliche Ausbau des Zugangs zum Netz. Ich kam dann immer mit einer netten Kenyageschichte. Wenn du beim Victoriasee in Kenya (Afrika) durch die kleinen Siedlungen streifst oder im Grünen bist, hast Du immer Netz. Fährst Du mit dem Zug durch Niedersachsen hast Du kein Netz. Zum Unterstreichen wie die Merkel-Koalition Deutschland kaputt macht, hielt dann ein Kommentar der Basler-Zeitung her: Drittweltland Deutschland.

Richtig schlimm waren die eintreffenden E-Mails. Das hat jetzt aber ein Ende. Kommt so spät nix mehr in Massen. Nach Veröffentlichung meiner Homepage und der Einrichtung eines Catch-All-Kontos kamen sie an: Viagra, Aufputschmittel, private Versicherungshändler, Wahlkampfmaterialverkäufer … SPAM ohne Ende. Der Rest waren Bürger. Manchmal musste ich 4 Stunden pro Tag in Antworten stecken. Hab ja kein Team. Gott bin ich müde. :) Dann gab es Kampagnenmails von Verbänden und Gewerkschaften. Bis auf Amnesty konnte man gut reagieren und teilweise mit den Leuten per E-Mail diskutieren. Amnesty lief stellenweise nur in den SPAM-Ordner rein. Keine Reaktionsmöglichkeiten gegenüber den Absendern. Schade eigentlich. Richtig viel Zeit verschlang die Abarbeitung von Anfragen diverser Lobbyorganisationen. Bspw. Zeitarbeitsbranche, türkische Verbände oder spezielle Organisationen die meist nur Sprachrohr der CDU waren. Abgehakt mit ehrlichen harten Antworten. Die Vorgaben meiner Partei habe ich in der Regel ordnungsgemäß ignoriert. Wäre sonst nicht ehrlich gewesen.

Ab dem 16. September muss ich nur noch vier Wahlkampfstände abarbeiten und zweimal morgens in der Frühe Pendler belästigen. Keine großen Veranstaltungen mehr. Der Wahlkampf ist realistisch gesehen eine Woche vor der Wahl vorbei. Endspurtwahlkämpfe sind der sinnlose Versuch Unvermeidliches abzuwenden. Ergebnis? Offen!

Die Baustellen im Land sind bekannt. Die, die uns regieren, haben keine Lust sie anzupacken. Kein Interesse daran. Sprechblasen um Sprechblasen von der CDU/CSU, unglaubwürdige Aussagen von der SPD und ein untragbarer Angstwahlkampf der Rechtsradikalen. Und jetzt? Bleibt es so? Ich befürchte Schlimmeres. Hoffe aber Gutes.

Eigentlich sollte jeder mal kandidieren. Diese Erfahrung ist immer etwas wert. Einfach mal machen.

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