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2022, Audio, Blog, Kenya

Kalisanga und Kaliteyo

Weiter geht es heute mit der zweiten Volkserzählung aus Ostafrika. Hier geht es um zwei Töchter, mit unterschiedlichen Müttern und dem selben Vater. Eine familiäre Darstellung, die durchaus kulturell normal ist. In einigen Überlieferungen wird die Rolle der Erlebnisse der zwei hier genannten Freundinnen in getauschten Rollen dargestellt. Auch der Name Kaliteyo wird bspw. als Kalimonje überliefert. Ich bleibe bei der Darstellung die mir die älteren Damen erzählt haben. Einige andere Beispiele und alte Scans von momentan nicht mehr erhältlichen Büchern (mind. nicht in Europa) finden sich aber online.

Kalisanga und Kaliteyo

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Es war einmal ein Mann, der zwei Frauen geheiratet hatte. Beide Ehefrauen brachten ihm eine Tochter zur Welt. Die erste Frau nannte ihre Tochter Kalisanga. Die zweite Frau nannte ihre Tochter Kaliteyo. Die Halbschwestern wurden fast zur gleichen Zeit geboren. Sie wuchsen zusammen auf und liebten sich wie Schwestern sich lieben können. Kalisanga war die schönere Schwester.
Nach vielen Jahren starb Kalisangas Mutter. Die Tochter musste nun unter der Aufsicht der zweiten Frau zurückbleiben. Als die Mädchen reifer wurden, wuchs ihre Schwesternliebe noch stärker an. Wenn sie Brennholz außerhalb des Dorfes sammelten, gingen sie immer zusammen; wenn sie Wasser aus dem Bächlein im Tal holten, waren sie immer zusammen; wenn sie zum Baden gingen, gingen sie zusammen; wenn sie Getreide zu Mehl mahlten, taten sie es zusammen. Tatsächlich teilten sie sich sogar einen gemeinsamen Freund.

Aber trotz der großen Liebe der Schwestern, hasste Kaliteyos Mutter Kalisanga und tat alles, um einen Weg zu finden, sie zu zerstören.

Eines Tages wies sie ihnen verschiedene Aufgaben zu, die sie gleichzeitig erledigen sollten. Sie wollte die Mädchen voneinander trennen. So konnte sie Kalisanga von ihrer Tochter fernhalten. Kaliteyo wurde gebeten, Wasser aus dem Bächlein zu holen, während Kalisanga zu Hause bleiben und Getreide mahlen sollte. Doch sie flehten ihre Mutter an, ihnen zu erlauben, diese beiden Aufgaben gemeinsam zu erledigen. Die Mutter lehnte aber ab und aus Respekt gehorchten sie und taten was ihnen aufgetragen wurde.

Als Kaliteyo einen Wasserkrug nahm und zum Bächlein ging, rief ihre Mutter Kalisanga ins Haus. Dort stopfte sie das Mädchen in eine große Trommel. Sie rollte die Trommel bis zu einem nahegelegenen See und warf das Gefäß mit der Halbschwester ins Wasser. Danach eilte sie nach Hause und tat so, als sei nichts passiert.

Als Kaliteyo zurückkam und ihre geliebte Schwester vermisste, bat sie ihre Mutter, ihr zu sagen, wo Kalisanga sei. Die Mutter aber sagte nur, dass sie das nicht weiß und ebenfalls bereits nach dem Mädchen gesucht hatte. Sofort wurde Kaliteyo unruhig und ängstlich. Sie begann überall nach ihrer Schwester zu suchen. Sie ging zu ihrer Großmutter, doch fand sie nicht. Sie ging zu jedem ihrer Onkel und Tanten, doch fand Kalisanga nicht. Auch im Haus des Freundes war die Halbschwester nicht zu finden. Kaliteyo war verzweifelt, als sie in ihr Haus zurückkehrte. Noch einmal fragte sie, ob Kalisanga wieder hier sei, aber auch der Vater konnte sie nicht finden. Kaliteyo fühlte sich sehr schlecht und weigerte sich irgendwelche Mahlzeiten zu essen. Sie fing an, den Verlust ihrer geliebten Schwester zu betrauern.

Eines Tages verließ sie ihr Zuhause und ging zum Seeufer. Dort sang sie ein Lied.

Oh Kalisanga, Oh Kalisanga, Oh Kalisanga
Das Kind meiner Mutter, Kalisanga.
Mit wem wirst du mahlen?
Mit wem wirst du gehen?
Mit wem wirst du Brennholz sammeln?
Das Kind meiner Mutter, Kalisanga.

Kaliteyo sang dieses traurige Lied einige Zeit lang. Als sie innehielt, hörte sie eine Stimme, die wie die eines kranken Menschen klang und aus der Richtung des Sees kam. Sie hörte aufmerksam zu und hörte die Stimme singen:

Oh Kaliteyo, oh Kaliteyo, oh Kaliteyo.
Das Kind meiner Mutter Kaliteyo
Mit deiner Mutter wirst du mahlen.
Mit deiner Mutter wirst du gehen, Kaliteyo.
Das Kind meiner Mutter, Kaliteyo.

Kaliteyo wiederholte ihr Lied und hörte wieder die Antwort. Sie war überzeugt, dass sie die Stimme ihrer Schwester hörte und rannte nach Hause. Dort holte sie ihren Vater und die Verwandten und Nachbarn. Alle begleiteten sie zum Seeufer. Wieder begann Kaliteyo zu singen und auch Kalisanga antwortete ihr. Ihre Stimme war jedoch noch schwächer als zuvor. Der Tod durch Hunger war nah. Ihr Freund sang ebenfalls ein Lied und da schwamm die Trommel mit Kalisanga am Ufer entlang. Die Familie holte Kalisanga ans Ufer. Eine ihrer Körperhälften war vom Wasser zerfressen. Als Kaliteyo sah, wie ihre Schwester bis zum Tod abgemagert war, holte sie saure Milch mit Haferbrei herbei und half der Schwester ihn zu essen.

Nachdem Kalisanga von der Tat der Mutter berichtete, weigerten sich die beiden Mädchen nach Hause zu gehen. Sie begleiteten ihren Freund zu seinem Haus und heirateten. Kaliteyo pflegte Kalisanga zusammen mit ihrem Mann bis alle Wunden und Schmerzen verheilt waren. Von da an lebten sie in großer Liebe zusammen.