2020, Blog

Nördistan

Treffen sich zwei und unterhalten sich. Der eine fragt, der andere antwortet und manchmal lachen sie.

Ich: Wie geht’s dir so?

Er: Och, ganz gut.

Ich: Was hast du die letzten Wochen so gemacht?

Er: Na wie immer. Gearbeitet. Fernwartung hier, Fernwartung da.

Ich: Corona?

Er: Ja, kenne ich.

Ich: Ernst genommen?

Er: Ja, tatsächlich ja. Südeuropa war mir eine Warnung.

Ich: Wie war das Home-Schooling und der Hausarrest?

Er (lacht): Ja, Hausarrest für die Mehrzahl der Familienmitglieder.

Pause

Er: Also für mich war das entspannt. Die Kinder hatten Ihre Aufgaben, wir haben Gott sei Dank einen Garten. Die Frau war auch meist da. Einkaufen war nur ich.

Ich: Einschränkungen bei der Arbeit?

Er: Nee. Wie auch. Eigentlich war der einzige Unterschied, dass meine Familie genauso lange wie ich zuhause war. Die durften sich einmal so fühlen wie ich mich den ganzen Tag.

Ich: Und wie fühlst du dich immer?

Er: Entspannt. Ich weiß gar nicht was viele Leute haben. Ich vermeide irgendwie grundsätzlich große Menschenansammlungen. Ich vermeide grundsätzlich viele Kontakte. Kein Mensch hat so viele Freunde, dass er ständig mit anderen unterwegs ist. Wie oft gehst du die Woche mit anderen weg? Einmal? Wenn überhaupt. Das Wetter war ganz gut. Meinetwegen können wir bei stabiler Gesundheit so noch ein paar Jahre weiter machen.

Lachen.

Ich: Ich glaube, das würde dir auch schnell über sein.

Er: Ja. Schule war doof. Geht ja wieder los. Du kannst den Kids ja nicht alles beibringen. Dafür haben wir Lehrer. Hat bei uns ganz gut geklappt. Video, E-Mail, Telefon. Wenn wir das Bildungssystem jetzt auf Lernziele statt auf Halbjahre ausrichten und die Anwesenheitspflicht in der Schule entsorgen, dann könnten die Kinder trotzdem lernen und wir würden mal fünf oder sechs Wochen außerhalb der Saison in den Urlaub fahren können und müssten nicht immer auf die Ferien warten. Das würde auch den Unsinn mit den überall unterschiedlichen Ferienzeiten beenden. Familien in unterschiedlichen Bundesländern haben je nach Konstellation nur die nationalen gesetzlichen Feiertage, um sich zu sehen. Auch das ist unfreundlich für Familien. Digitalisierung macht es möglich hier was zu ändern.

Ich: Aber nicht übertreiben. Wir haben Tablets abgeschafft für Lernzwecke und unserer Ältesten einen Laptop gekauft. Mit Tablets kann man weder lernen noch arbeiten. Man kann wischen, aber nicht den Boden.

Er: Ja, da stimmt. Präsenzunterricht ist wichtig und Skills, die du später im Büro brauchst.

Ich: Wenn es denn Büro sein soll.

Er: Stimmt. Ich bevorzuge Keller oder Strand.

Lachen.

Ich: Bevorzugst du Wissenschaftler oder Vegane Köche oder Sänger, wenn es um Viren und Pandemien geht?

Er: Alter. Hast du dir mal die Telegram-Gruppen von diesem Attila etc. angeschaut?

Ich: Ja, aber QAnon ist noch derber.

Er: Ja. Da dreht man doch durch. Ein Dauerfeuer an Hirndünnpfiff vor dem Herren. So stelle ich mir eine Mitgliederversammlung bei der AfD vor oder den Alltag in der Geschlossenen.

Lachen.

Ich: Ja, man könnte glauben, dass ein großer Teil der Bevölkerung den Verstand verloren hat.

Er: Aber schon vor Corona. Die erbrechen ihren Müll jetzt nur auf offener Straße, weil keiner was zu tun hat und alle den ganz Tag auf Twitter und Facebook rummachen.

Ich: Das ist Freiheit.

Er: Das ist Freiheit.

Ich: Darf ich sagen wer du bist?

Er: Bloß nicht. Du hast QAnon erwähnt.

Ich: Angst vor denen?

Er: Klar. Ich glaube ja, die sind alle Verfassungsschutz oder Geheimdienst.

Ich: Nicht dein ernst?

Er: Nein, aber wir sollten das streuen, um den Laden kaputt zu machen.

Lachen.

Ich: Kaputt sein dürfen, ist auch unsere Freiheit.

Er: Wohl war.

Ich: Das Kaputte zu erkennen, ist dann die andere Sache.

Er: Deshalb Geheimdienst. Sage ich jetzt in jedem Gespräch, wo ich auf einen Anhänger dieser Typen stoße.

Ich: Musst du lange suchen bis du einen findest?

Lachen.

Er: Nein.

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