u.a. Die Sache mit dem Speicherplatz #vds (Update)

Aus aktuellem Anlass aktualisiert!

Kaum einer in der normalen Bevölkerung hat es mitbekommen: Der lückenlose Ausbau des Überwachungsstaates ist so gut wie abgeschlossen. Es fehlen noch ein paar Kleinigkeiten, aber das holt sich unsere Bundeskanzlerin sicher noch.

Fassen wir mal kurz zusammen welche elementaren Schritte unternommen wurden:

1. Vorratsdatenspeicherung
2. Personalausweisgesetz
3. Videoüberwachungsgesetz
4. Fluggastdatenweitergabe
5. Staatstrojaner und Onlinedurchsuchung
6. Unendlichkeitshaft in Bayern

Diese sechs Angriffe auf die Bevölkerung wurden durchgeführt.

Zur Vorratsdatenspeicherung

Seit dem 01.Juli 2017 sollen für 10 Wochen lang alle Verbindungsdaten gespeichert werden. Standortdaten für vier Wochen. Dazu zählen alle Telefonanrufe, sowie alle Interneteinwahlen. Ebenfalls die Dauer jedes Telefonates und natürlich wer mit wem gesprochen hat und bei Mobilfunk die Position der Nutzer. Da man heutzutage so gut wie immer online ist, ist also 10 Wochen rückwirkend nachvollziehbar wer wie online war, mit wem gesprochen wurde, und vier Wochen lang wo man sich aufgehalten hat. Und damit auch wer sich noch am gleichen Ort aufgehalten hat. So manche Junta würde sich freuen zu wissen wer bei Oppositionstreffen dabei war. Bei Livezugriff hervorragend geeignet für illegale Drohnenmorde. Die Speicherung der IP-Adresse lässt in Kombination mit anderen gespeicherten Daten auf das Nutzerverhalten schließen.

Die Vorratsdatenspeicherung ist das umfassende Profiling und Überwachungsinstrument gegen die gesamte Bevölkerung.

 

Momentan wird aufgrund eines aktuellen Urteils die Vorratsdatenspeicherung nicht angewendet, aber ich glaube nicht mehr daran, dass das auch so bleibt. Auch die Videoüberwachung mit dem biometrischen Abgleich wird erst getestet, aber die Grundlagen sind geschaffen. Der Protest zu gering. Erdogan hätte es nicht einfacher haben können.

 

Das Personalausweisgesetz

Völlig untergegangen sind die Änderungen am Personalausweisgesetz. Es ist jetzt ALLEN deutschen Geheimdiensten erlaubt alle Daten der Bürger*innen abzufragen. Auch die biometrischen Daten. Der Verfassungsschutz, der Auslandsgeheimdienst (BND), selbst der Militärische Abschirmdienst dürfen das jetzt. Auch die ePersofunktion wird uns versucht auf zu zwingen. Abschalten ist oberste Bürgerpflicht, sollte es eigentlich heißen.

Das Videoüberwachungsgesetz

Die Videoüberwachungsmöglichkeiten haben eine neue Qualität bekommen. Es gibt kaum einen Raum der nicht mehr überwacht werden darf. So ist nur noch ein kleiner Schritt nötig, um in der Videoüberwachung biometrische Daten abzugleichen. Da passt also die Änderung des Personalausweisgesetzes wie die Faust aufs Auge.

Es ist jetzt also nicht nur möglich uns 4 Wochen lang geografisch zu verfolgen. Sobald die Tests abgeschlossen sind, wird es nicht mehr lange dauern und die entsprechende Ermächtigungsgrundlage wird geschaffen, um mit Hilfe biometrischer Abfragen Videodaten zu kontrollieren. Ob die Daten der Vorratsdatenspeicherung stimmen, oder jemand anderes das Mobiltelefon hat, oder die hinterlegten Personendaten zu einem Mobiltelefon nicht korrekt sind, dürfte im Interesse der Überwachungsstaatsfans liegen.

Jetzt fehlt noch so ein bisschen Hollywoodcharakter, weil der absolute Livezugriff und Liveabgleich fehlt, aber hey: Wer hält die Regierung auf? Richtig: Die Wähler! Wer hält die Regierung also auf? Richtig: Niemand! Die Nebelkerzen der Regierung reichen aus, um die Mehrheit abzulenken. Siehe #G20.

Fluggastdatenspeicherung

Auch die Speicherung und Weitergabe aller Daten der Menschen, die ein Flugzeug nehmen, ist beschlossene Sache.

Der Staatstrojaner und die Onlinedurchsuchung

Der Einsatz eines staatlichen Trojaners ist jetzt möglich. Eure Computer, eure Smartphones. Alles darf jetzt mit einer staatlichen Malware infiziert werden. Alles darf aus der Ferne durchsucht werden. Natürlich darf niemand gefälschte Beweise dort hinterlegen. Geht zwar, aber macht ja niemand. Wirklich. Versprochen! Denke ich mal. Und es geht hier nicht um Terrorbekämpfung, sondern Alltagskriminalität. Wehe dem, der verdächtige Bekannte hat.

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Es ist nur eine Frage der Zeit bis auch die Daten von Messengern (auch verschlüsselt) von größerem Interesse sein werden. Normale Postsendungen wurden schon mal angesprochen.

 

Aktuell: In Bayern ist in Zukunft eine Unendlichkeitshaft für unschuldige Menschen möglich!

Bayern startet das Experiment, das sich die Bundesregierung noch nicht traut.“, schrieb mir ein Leser. Ich füge dem nichts weiter hinzu. Die CSU-Landesregierung und Ihre Abnickerfraktion im bayerischen Landtag haben ein Gesetz beschlossen, dessen Anwendung wir nur aus Diktaturen oder Regimen kennen, denen wir absprechen ein Rechtsstaat zu sein. Aktuelles Beispiel ist die lächerliche Berichterstattung in einigen Medien, die eine Neuausrichtung in der Türkeifrage fantasieren. Es gibt nur eine lächerliche Reisewarnung, die aufgrund von Erdogans Politik beim Bürger doch eigentlich schon seit längerer Zeit angekommen ist. Wenn ich mit Leuten über die Türkei rede, höre ich schon seit einem Jahr: “Da fahre ich nicht mehr hin.” Jetzt eben diese Reisewarnung und der Stopp von Rüstungsdeals, weil in der Türkei Unschuldige einfach eingesperrt werden, wahrscheinlich auch, weil ein Einmarsch der Türkei in den Norden Syriens bevorsteht. Einige Wähler sind im Wahljahr ja doch etwas empfindlicher. Rüstungsexporte zu den Kriegsparteien im Jemen fallen weniger auf. Wenn der Zeitpunkt nicht zufällig mit den Meldungen aus Bayern korrespondieren würde, hätte man der Regierung das abnehmen können. Scheinbar lenkt man lieber von dem kleinen Unrechtsstaat Bayern ab.

Wer also vielleicht, in Zukunft, unter Umständen, nach Einschätzung eines Vertreters des Sicherheitsapparates und eines Richters (sicher selten ohne CSU-Parteibuch in Bayern) in Zukunft eine Gefahr darstellt (darstellen könnte), kann unendlich eingesperrt werden. Alle drei Monate soll ein Richter (Wiederholung: sicher selten ohne CSU-Parteibuch in Bayern) eine Vorgangsprüfung durchführen. Bei der Inhaftierung spielen Richter keine Rolle, erst, wenn man Rechtsmittel einlegt. (Falls man an ein Telefon gelassen wird.) Unrecht bleibt Unrecht. Wo ist eigentlich der Aufschrei der Opferverbände, die das Unrecht der DDR aufgearbeitet sehen wollen? Mit welcher Frechheit vergleicht der Finanzminister Schäuble die Türkei mit der DDR? Wir leben doch gerade in einem Remake. In Bayern sogar noch etwas mehr!

Danke für diese Einsendung:

(PS: Dürfte nach meiner Meinung dann erst nach Inkrafttreten gemacht werden. *g*)

(PS: So gut ist es aber auch nicht. :p )

 

Bleiben wir aber trotzdem nur bei der #vds

Machen wir eine Rechnung mit dem Speicher auf.

Der ECO-Verband hat ausgerechnet, dass ungefähr 600 Millionen Euro Investition in die Vorratsdatenspeicherung fließen müssen (PDF). Also Hardware, Software und damit einhergehend Speicherplatz. Personal und Organisatorisches und Betriebskosten sind hier nicht drin. (!) Die Bundesnetzagentur ging von 260 Millionen aus. Momentan liegt man angeblich bei schätzungsweise nur 30 Millionen Euro.

Jetzt weiß ich nicht, wie viel Speicherplatz alle verpflichteten Provider zur Verfügung stellen. Wenn ich aus eigener Erfahrung Zahlen nennen kann, dann ist bei der Anschaffung von Speichertechnik ein Verhältnis von Technikpreis und Speicherpreis zwischen 30% und 50% möglich. Um die Rechnung nicht ganz aus dem Ruder laufen zu lassen, nehme ich mal die 30%, sonst fallen Befürworter der Vorratsdatenspeicherung noch um.

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Als Grundlage nehme ich auch nur die 30 Millionen. Hiervon 30% macht 9 Millionen Euro für Speicherplatz. Mehr nicht. Der Rest sind dann SANs oder so. Der Speicherplatz wird ungefähr benötigt, um dem Speicheranspruch der Vorratsdatenspeicherung nachzukommen, wenn die zuletzt gemeldeten Kosten und meine Annahme stimmen.

Die Kosten für einen GB Cloud-Speicher sind unterschiedlich. Kommerzielle Anbieter, wie bspw. OneDrive von Microsoft liegen bei den hohen Speicherangeboten bei günstigen 2 € pro 50 GB reinen Speicher. Die Leitz-Cloud bietet 25 GB für 2 € an. Bei Strato gibt es 5.000 GB für 35 €. Alles pro Monat. Bei Strato zahlt man also ca. 0,7 Eurocent pro GB. Bei Microsoft 4 Eurocent. Bei Leitz 8 Eurocent. Das als Beispiel. Aufs Jahr gerechnet entsprechend mit Faktor 12 multipliziert. Die großen Anbieter werden aber eher selber hosten als externe Anbieter mieten. Letztere werden von kleinen Anbietern genutzt. Davon gehe ich mal aus.

Wer eine 12 TB Festplatte benötigt, muss zwischen 500 € und 1.000 € ausgeben. Im schlechtesten Fall also ca. 8 Cent pro GB.

Ich bin jetzt mal voll teuer und gehe von GB-Anschaffungskosten in Höhe von 0,35 € pro GB aus. Also richtig teuer. Eine 1.000 GB Festplatte kostet also im nicht existierenden kowashop 350 €. Wucher, nenne ich das. Wucher!

Wie viel Daten passen auf ein GB Speicher?

Richtig. Es gibt eine Menge Berechnungen (1, 2, 3). Ich bin auch hier großzügig und lege mich auf 200.000 A4 Seiten pro GB fest.

Wie viel Ordner benötigt man für 200.000 A4 Seiten?

Richtig gerechnet. Ein normaler Ordner umfasst ca. 500 A4 Seiten. Bedeutet, dass ein GB Daten bei meinem Beispiel ca. 400 Ordnern entsprechen.

So! Ein A4-Normordner hat ca. 8 cm Breite. Ein laufender Aktenmeter umfasst also ungefähr 12 Aktenordner. Bedeutet, dass 1 GB Daten ca. 33 Aktenmeter entsprechen. Alles immer noch total großzügig gerechnet.

Nehmen wir also jetzt die 9.000.000 € und kaufen dafür Speicherplatz.

Wieviel erhalten wir? Richtig: ca. 25.714.285 GB (Gigabyte). Das sind 25.714 TB (Terabyte). Das sind 25.7 PB (Petabyte). Ich runde ab und sage 25.000.000 GB! Rechnet sich einfacher und treue Merkelfans bekommen keinen Herzcasper.

Diese 25 Millionen Gigabyte entsprechen also 5.000.000.000.000 A4 Seiten. Also 5 Billionen A4 Seiten. Entsprechen also 10.000.000.000 Aktenordner. Also 10 Milliarden Aktenordner.

Diese 10 Milliarden Aktenordner entsprechen ungefähr 833.333.333 Aktenmeter. Das sind dann ungefähr 833.333 Kilometer, wenn man alle Akten hintereinander stellen würde.

Diesen Speicherplatz benötigen die Telekommunikationsanbieter, wenn meine Annahmen zur Rechnung stimmen, um alle anfallenden Verbindungsdaten die geforderten 10 Wochen und die Standortdaten 4 Wochen lang zu speichern. Danach wird wieder überschrieben.

Natürlich ist eines klar: Keine Sau kann diesen Datenberg durcharbeiten. Die Fehlerquoten werden ebenfalls entsprechend gigantisch sein.

Und das moralisch Verwerflichste: In den Räumen des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) lagern die Aktenbestände der Stasi der DDR. Sie umfassen 111 Aktenkilometer für ca. 40 Jahre Spitzeltätigkeit. Dagegen sind 833.333 Aktenkilometer innerhalb von 10 Wochen im Grunde schon surreal.

Update: Ein Kommentarschreiber hatte eine berechtigte Anmerkung: In der Regel werden nur ca. 25% von Festplatten ausgenutzt. Ich kenne das auch so. Davon ausgehend reden wir nur über eine Datenmenge von 208.333 Aktenkilometern. Keine wirkliche Verbesserung! ;)

Ob die Wähler*innen der GroKo (Merkel/CDU/CSU/SPD) wissen was sie sich und uns antun?

13 Kommentare u.a. Die Sache mit dem Speicherplatz #vds (Update)

  1. Pingback: Die Woche im Rückspiegel betrachtet | Lars Schall

  2. torge

    Hi.

    Kannte den Blog gar nicht.
    Schöner Beitrag.
    Bayern und #vds sind wirklich krass.

    Torge

  3. pinky

    Also!

    Du müsstest Deine Rechnung verändern.

    Jeder weiß, dass Festplatten im Durchschnitt nur zu 25% ausgenutzt werden.

    Aus diesem Blickwinkel würden NUR 208.333 Aktenkilometer gesammelt werden.

    Sei doch nicht immer so negativ.

    :)

    1. Kowa

      Tatsächlich kann ich Deiner Rechnung was abgewinnen. Aber kalkulieren Unternehmen so ihren Speicherplatz? Hab doch schon großzügig gerechnet.

  4. kowafan

    Du bist ja irgendwie ne geile Sau. So unaufgeregt ne geile Rechnung zu machen … Geile Argumentationshilfe!!!

  5. Pingback: Wir schaffen das! | -=daMax=-

  6. Niko N.N.

    Die Überwachung ist schon 1984. Das ist eigentlich ein Grund für nen Aufstand.

    Bei den Preisen würde ich den Mitdiskutanten sogar noch weiter widersprechen. Wenn ich als Großkunde SANs kaufe, dann ist die Ersparnis noch größer. In der Regel bei der Technik. Ein Verhältnis von 20% Technik zu 80% Speicher ist möglich. Unter dem Aspekt gehen die Telekommunikationsanbieter von mehr Bedarf aus.

  7. locutus von borg

    Nazivergleiche sind das Eine, aber ein Stasivergleich? Da wird der CDUler in der Zelle verrückt.

    1. redlady

      Ich würde auch eher 50% und 250.000 pro GB sagen. Aber selbst 50K wären noch schockierend.

Kommentare sind geschlossen.