Wahlgeschnatter

Während wir in Deutschland Wahlen abhalten, in Niedersachsen kurz danach noch eine kleine Landtagswahl, finden natürlich auch anderswo entsprechende Durchgänge statt. Eigentlich habe ich jetzt mal englische Wochen einleiten wollen. Aber mein Gespräch in diesem Bereich ließ sich schlecht aufarbeiten. Ich habe mit einem Kenyaner über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Wahlabläufe und Kampagnen gesprochen. Und im Grunde war schnell klar: Egal wo, egal wer, es ist überall ähnlich!

Ich hatte ihn gebeten einen Beitrag für kowabit.de zu schreiben und dabei auf die Online-Kampagnen einzugehen. So, wie er sie in Kenya beobachtet und  wie er deutsche Kampagnen registriert bzw. einschätzt. In Kenya wurde gerade gewählt. Durch ein Gerichtsurteil muss die komplette Wahl des Präsidenten wiederholt werden. Äußerst unangenehm.

Die Einschätzung der Onlinekampagnen in Kenya fiel ihm natürlich leicht. Im Grunde ist außer dem Nutzen eigener Profile oder von Parteiprofilen zum Wahlkampf wenig festzustellen. Er selbst hatte nicht registriert, dass Werbung explizit eingekauft wurde. Politiker bieten in Eigenregie Interviews auf Facebook an und stellen sich den Fragen der Nutzer. Keine Fernsehkanäle sind dafür nötig. Das habe ich erstmal durchaus als interessantes Detail eingestuft. Bringt natürlich erstmal nur die eigenen Unterstützer und Follower/Freunde dazu mitzumachen. Eine interessante Möglichkeit, die wir im Hinterkopf behalten. Unmoderiert das Gespräch zu suchen, werden wir bei uns eher selten finden. Den Mut hätte unsere Kanzlerin wohl eher nicht.

Ansonsten ist es ein stellenweise reiner Straßenwahlkampf. Es wird von Stadt zu Stadt gezogen und Rede um Rede gehalten. Es ist nicht einmal selten, dass die Unterstützer und Zuschauer bei diesen Reden finanzielle Belohnungen erhalten, wenn sie erscheinen. Dafür tanzen die Politiker dann in der Regel aber auch auf der Bühne zu einheimischer Musik. Ob ich unsere Spitzenleute jetzt unbedingt tanzen sehen möchte, weiß ich nicht wirklich. ;) In einem Land mit großer Armut ist diese Art des versuchten Stimmenkaufs natürlich kritisch zu sehen. Wahrscheinlich profitieren einige Zuhörer dadurch tatsächlich mal von Politik und Wahlen. Bis auf einen ausbezahlten Eintritt ist also eigentlich alles wie bei uns. Langweilige Duelle im Fernsehen und noch langweiligere Tweets von Martin Schulz geben uns natürlich eine ganz besondere langweilige deutsche Note. Man kann schon froh sein, dass die kleinen Parteien sich Paroli geben, Manchmal.

Vielleicht interessiert Dich noch:   Interview mit Dietmar Bartsch

Ein großes Problem sah mein Gesprächspartner im Umgang untereinander. Er sprach von großen Auseinandersetzungen in sozialen Netzwerken und verstärkten Hasskommentaren und Angriffen. Jede Seite gegen jede Seite. In Kenya ist es nicht selten, dass Menschen sich nach unzufriedenen Wahlergebnissen in Straßenschlachten wiederfinden. Auch nach der ersten Wahl hat es Tote gegeben. Das Aufstacheln in sozialen Netzwerken hat seine eigene Dynamik damit entwickelt.

Bei uns ist momentan und auch in der Vergangenheit des Gewaltventil eher geschlossen. Hate-Speech ist auch hier seit einigen Jahren angekommen. Wir haben eine Art Zensurgesetz bekommen, dass derartige Nachrichten helfen soll zu entfernen. Bringt aber nichts. Interessant war, dass diese Diskussion jedoch woanders gar nicht wahrgenommen wird. Mein kenyanischer Gesprächspartner hatte die Sache mit dem Hate-Speech eigentlich nur nebenbei erwähnt. Es gehört eben in der Auseinandersetzung dazu. Er sprach jedoch von einer Steigerung im Moment. Mag es vielleicht an der Wiederholungswahl liegen.

Die deutschen Kampagnen fand er gut. Wie ich schon erwähnt habe, finde ich das ganze Onlinegedöhns ziemlich öde. Er war von dem disziplinierten Erscheinugnsbild der meisten Parteien positiv angetan. Hate-Speech und Straßenwahlkampf konnte er nicht wahrnehmen. Einmal, weil er nicht hier ist und zum anderen, weil er in der lokalen Debatte nicht drinsteckt. Als ich ihm erklärte, dass wir eigentlich mit den gleichen Dingen zu kämpfen haben, war er erst misstrauisch. Einzig das Fehlen offener Gewalt ließ ihn die deutschen Wahlen attraktiver erscheinen.

Von der Politik weggekommen, sind die Wünsche der Leute aber auch überall ähnlich. Guter Job, gutes Einkommen, Familie, Stabilität, Rechtsstaat, Sicherheit und Internet.

Vielleicht interessiert Dich noch:   SPD will Kinderehen erlauben (geleakte Dokumente)

So ist die Wahrnehmung hier und dort und woanders eben unterschiedlich. Die Probleme sind jedoch die Gleichen. Und ich bin da auch ehrlich: Wenn Merkel oder Schulz mir 20 Euro pro angefangener Stunde geben, damit ich ihnen zuhöre, würde ich das tun. Aber auch nur wegen dem Geld. Es wäre ansonsten verschwendete Zeit. Jedenfalls für mich.

 

Dieser Beitrag gehört zu diesem Test:

fiverr.