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2021, Blog

Wahlnachlese #btw2021 (Update 2)

Na das war doch mal ein spannender Abend. Und erst die Erkenntnisse, die man ziehen kann. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Treffen wir die erste Aussage: Das Völkchen hat gewählt und bekommt die Regierung, die sie haben will. 🙂

Wie die aussehen wird, steht jedoch noch in den Sternen.

Sichtbar ist, dass das, was ich bereits vor Tagen veröffentlicht habe, eingetreten ist: Es gibt bei der Mehrheit der Menschen kein Interesse an einer grundlegenden Veränderung. Kein Interesse an sozialer Gerechtigkeit. Kein Interesse an ökologischen Veränderungen. Diese Wahl ist die wohl größte Niederlage für einen sozial-ökologischen Wandel, den sich viele nicht hätten vorstellen können. Die Stärke der Grünen wird nichts nützen. Egal in welcher Regierung, sie werden keines Ihrer Ziele umsetzen. Sie werden keine Erwartungen erfüllen können. Die totale Schwäche der Linken zeigt, dass die Mehrheit gerne Applaus spendet, aber an einem bspw. desaströsen Zustand im Gesundheitssektor wenig ändern möchte. Auch Verteilungsgerechtigkeit spielt keine Rolle. Altersarmut? Egal. Kinderarmut? Egal. Kriege führen? Warum nicht.

Tatsächlich glaubt fast ein Viertel der jungen Wähler*innen, dass die FDP ihnen nützt. Das Bildungssystem ist echt mies.
Noch schlimmer, dass Soziale Gerechtigkeit und Klima den größten Einfluss auf die Wahlergebnisse hatte und dann kommt so ein Ergebnis raus. Fast zum lachen, wenn 44% die SPD wegen sozialer Gerechtigkeit wählen. Und ich dachte, dass Cannabis noch gar nicht freigegeben wurde. Und genau dann möchte eine Mehrheit die FDP an der Regierung sehen. WTF? Und nach 16 Jahren glaubt die Mehrheit, dass Union und SPD die Wirtschaft voranbringen. FunFact: Der Union wird die größte Kompetenz zugesagt, die Kriminalität am Besten bekämpfen zu können. Alter, wo ist meine Maske? Und dann scheitert die Linke knapp am Einzug in den Bundestag obwohl 77% über falsch verteilten Wohlstand unzufrieden sind. Aber wenn selbst in Krisenregionen Union und SPD eine satte Mehrheit stellen, kann die Gefahr auszusterben ja gar nicht so unattraktiv sein.

Die Wahrnehmung der Realität ist eine rein individuelle Entscheidung. (Gilt in jede Richtung und für jeden individuell. 😀 )

Der Sieg der SPD und die herben Verluste für die CDU/CSU verändern nichts an den Machtverhältnissen. Ich bleibe weiter bei der Position, dass es eine GroKo geben wird. Die FDP hat keine Stärke zeigen können, sondern verharrt auf ihren 2017er Niveau. Wer FDP gewählt hat, möchte keine Grünen an der Regierung. Die Stärke der Grünen reicht nicht aus Politik durchzusetzen, die nicht zu viele Kompromisse in Richtung des rechten politischen Lagers notwendig macht. Sollten beide Parteien einen Kompromiss finden, wird er so schwach und unbefriedigend sein, dass beide Parteien nicht profitieren würden, wenn Wähler ihre Wahlentscheidung tatsächlich aus politischen Gründen getroffen haben und nicht weil irgendwas gerade schick war oder die individuelle Wahrnehmung versagt hat.

Deutschland hat gewählt und alles bleibt wie es ist. Wo aber keine wirkliche Bewegung stattfindet, kommt man leider nicht voran.

Und wehe nur einer von Euch heult später, wenn Grundrechte und Sozialstaat in den Erdboden gestampft wurden.

Es gilt aber weiterhin: Nach der Wahl ist vor der Wahl.

 


Update 2:

Ein Leser meint:

Warum sollte es weiter so bleiben wie bisher, wenn dieses Jahr eine neue (imho) bessere Koalition hervor geht. Ich bin der Meinung, dass sich die SPD durch die Union in den letzten Jahren zu sehr in Bredouille gesteckt hat und deshalb alles mögliche abgenickt hat, was für die Union stand

Bleibt die Frage was besser ist?

 

Update 1:

 

Ein Leser schickt mir folgenden Beitrag. Ich finde ihn tatsächlich überaus interessant:

Das alles so läuft wie gehabt. Ohne Flachs: Wir haben ein so hohes Lebensniveau, dass wir nur noch verwalten können. Um zu gestalten, müsste man Platz für neues schaffen. Da man aber niemand wehtun möchte, bleibt alles so wie es ist. In der Pandemie hätte man gestalten können, diesen gedanklichen Umschwung haben unsere Verwalter aber nicht geschafft. Nein, ich habe keine etablierte Partei gewählt…

 

Eine Leserin meinte:

Gibst Du einen aus, wenn es eine Ampel wird?

 

Natürlich nicht. Ich bleibe bei GroKo. Ich möchte nicht wiederholen was oben steht. Ein anderer Blickwinkel vielleicht. Grüne und FDP sondieren jetzt mal selbst. Da passieren zwei Dinge: Sie werden oberflächlich eigene Themen besprechen. Rote Linien ertasten. Möglichkeiten. Das, was man als Wähler* fordern würde. Die zweite Sache ist die Pöstchenverteilung. Die werden sie auch besprechen. Und sie wissen, dass Union und SPD jeweils beide Parteien bräuchten. Also werden sie diese Verhandlung jetzt als Druck nutzen, um den mittleren Parteien zu signalisieren, dass es ein teurer Spaß wird. Immer unter der Annahme, dass Union und SPD keine GroKo anstreben. Das Problem was Grüne und FDP aber haben, ist die Tatsache, dass Union und SPD GroKo können. Und wenn Laschet erstmal weggemobbt wurde nachdem die Basis ihn eigentlich haben wollte (ätsch), ist die Union problemlos in der Lage auch Juniorpartner zu sein. Für Union und SPD hätte es den Vorteil, dass sie wissen auf welche Halunken sie sich einlassen, und dass außer der Coronapolitik erstmal nicht mehr geliefert werden muss, weil alle abgelenkt sind. FDP würde mindestens im Digitalbereich eine Menge fordern und Grün im Umweltbereich. Beides Bereiche, in denen Union und SPD nichts zu bieten haben. Die wissen ja auch erst seit knapp 18 Monaten, dass es Videokonferenzen gibt. Naja, und ob FDP und Grüne dann trotzdem zusammen passen, steht in den Sternen. Lustig ist das Verfolgen der Diskussion auf Twitter: „Wenn Ihr mit der FDP oder CDU, dann habe ich das letzte Mal Grün gewählt.“ Oder in den Kommentarspalten auf Welt-Online: „Wenn die FDP mit den Grünen, dass habe ich das letzte Mal FDP gewählt.“ Es ist zu schreien komisch. Da bin und bleibe ich lieber Anhänger der kleinsten geradeso reingekommenen Oppositionspartei für die sozialen Anliegen. 🙂

 

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