Wirtschaftsförderung durch Blockchain-Technologie | (Cryptobeitrag 3)

Cryptowährungen, die nur existieren, um an Börsen hoch und runter gepuscht zu werden, sind Blödsinn. Unter diesen Bedingungen kann jeder von uns sein Geld auch an der richtigen Börse verbrennen. Es hat den gleichen Nutzen. Keinen. Aber was wäre, wenn wir bereits existierende Ideen und Konzepte mit Hilfe von Cryptowährungen umsetzen würden? Das betrifft nicht nur private Initiativen, sondern kann selbst für die Politik auf kommunaler Ebene von Interesse sein. Wirtschaftsförderung von lokalen Kreisläufen und mittelständischen Unternehmen. Auch eine Möglichkeit dem Onlinehandel von bspw. Amazon Paroli bieten zu können.

Als Grundlage für diese Möglichkeit nehme ich die Cryptowährung WAVES. Schlicht aufgrund der Token-Option, die ich in diesem Beitrag: https://kowabit.de/waves-cryptobeitrag-2/ vorgestellt habe und mit KowaCoin als Beispiel umgesetzt habe. Im folgenden Text werde ich zwei Beispiele für lokale Initiativen besprechen. Ich freue mich über Reaktionen zum Thema. Wir können das Thema gerne entwickeln.

Themen:

  1. Tauschgeschäfte
  2. Mittelstand

Tauschkreise / Tauschringe / Tauschbörsen

Sicher sind Euch Tauschbörsen nicht unbekannt. Menschen organisieren sich in einem Verein und helfen sich gegenseitig. Sie bezahlen sich nicht mit harter Währung, sondern mit einer eigenen Verrechnungseinheit, die im Grunde an den Euro gebunden ist. Soweit ich mich erinnere, muss sie das sogar in irgendeiner Verrechnungsart sein, denn diese Tauschvorgänge sind gültige Verträge. Kann mich aber auch irren.

Mitglieder dieser Vereine zahlen bspw. einen geringen Jahresbeitrag, um Verwaltungskosten zu bezahlen. Dazu gehören Kosten für eine Webpräsenz, Kosten für Büromatierial, um die Verrechnungen und Buchungen durchzuführen und festzuhalten oder in Einzelfällen auch die Kosten für Software oder entsprechende Webskripte, die die Verrechnungen und gegenseitigen Gutschriften übernehmen können.

Wie kann in Tauschkreisen und Tauschbörsen jetzt die Blockchain-Technologie zum Zuge kommen?

Das ist einfacher als gedacht. In der Regel besitzen so gut wie alle Menschen Smartphones. Ältere, wie jüngere Menschen. Und diese Technologie machen wir uns nun zu Nutze:

  1. Nehmen wir an ich möchte in Buxtehude einen neuen Tauschverein aufmachen. Dafür werbe ich 100 Personen.
  2. Die große Mehrheit der Personen besitzen ein Android-Smartphone.
  3. Alle Mitglieder sind verpflichtet sich die App WAVES Wallet im Playstore zu installieren.
  4. Als Initiator erstelle ich eine lokale Tauschwährung namens: BuxCoin als eigenen Asset/Token und erweiterbar. Der Vorgang anhand der KowaCoins wird hier beschrieben. Wenn ich vorhabe meinen Coin über die Stadtgrenzen hinaus auszudehen, gebe ich ihm einen neutraleren Namen, bspw. TauschCoin. Das vollständige TauschCoin-Konto erhält entsprechend immer der Vorsitzende, auch bei einem Wechsel leicht zu übertragen.
  5. Mitglieder müssen auf einem Treffen eine 10 Euro Eintrittsgebühr bezahlen, im Folgejahr nur noch 5 Euro. Für die 10 Euro eines jeden Mitgliedes kaufe ich als Vereinsvorsitzender zu 50% WAVES auf einer Onlinebörse. Damit lege ich die Hälfte des Eintrittsgeldes in der Blockchain an. Auch nachprüfbar für jedes Mitglied. Transparent im WavesExplorer einsehbar!
  6. Die restlichen 50% gehen in Webseite und Gebühren. Einzahlungen in Cryptomärkten kosten in der Regel auch etwas. Aber überschaubar. Hierführ reicht am Ende eine Handkasse mit Papierführung. Die 5 Euro der Folgejahre sollen dann nur noch für diese Realkosten genutzt werden. Der Vorsitzende, also ich, soll natürlich auch für diese Arbeit eine Art Entlohnung erhalten und wird Pauschal mit einer Summe x in TauschCoins entlohnt. Wenn ein Tauschmitglied manche Arbeiten übernimmt, bspw. Webdesign, ist es aus dem TauschCoin-Konto des Vereins zu entlohnen. Entlohnungen müssen in der Vereinsversammlung festgelegt werden. Alternativ kann auch ein realer Hosting-Service gesucht werden, der bspw. in WAVES abrechnet oder BitCoins. Der Vorsitzende kann dann entsprechend der eingenommenen WAVES in BTC tauschen und eine Webpräsenz mieten. So könnte vielleicht der komplette Verein über WAVES organisiert werden. Keine Handkasse mit Euros. Die Buchhaltung würde so komplett nachvollziehbar in der Blockchain liegen.
  7. Jedes Mitglied erhält mindestens 1 WAVES. Damit sind 1.000 Transaktionen möglich.
  8. Zusätzlich erhält jedes Mitglied eine festzulegende Summe TauschCoins. Alle TauschCoins sollten nicht verteilt werden. Wenn wir bspw. festlegen, dass für 5 Euro 500 TauschCoins erstellt werden, also pro Mitglied, sollten 200 beim Verein verbleiben, um eigene Ansprüche zu erfüllen. An jedes Mitglied werden dann 300 TauschCoins überwiesen.
  9. Jetzt legen die Mitglieder die minimalen Tauschsätz in der Vereinsversammlung fest. Hier bspw. 10 Coins pro Stunde. Anschließend kann der Tauschhandel beginnen. Die Abrechnung erfolgt zwischen den Mitgliedern selbst. Schlicht per App. In Tauschbörsen ist es nicht unüblich, dass auch Minusguthaben möglich sind. Die schließe ich aus Gründen der geringen Kosten für diese Lösung aus. Für einen Euro in der Vereinskasse können auch schnell 100 TauschCoins erworben bzw. erstellt werden. Da hier eher der ideelle Wert zählt, stellt das kein Problem dar.
  10. Sollte ein Mitglied kein Android-Smartphone haben, aber einen Laptop oder PC, so könnte auf der Vereinsversammlung, oder später zuhause, das Webwallet installiert und ein Konto eingerichtet werden. So kann der Tausch später am PC gezahlt werden. Sollte jemand nichts dergleichen haben, muss eben eine andere Möglichkeit gefunden werden. Ich denke, das ist machbar.
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Mit dieser Grundlage wäre die Blockchain tatsächlich bei den Menschen angekommen. Geringer Einsatz, große Wirkung und Minimierung des Verwaltungsaufwandes. Was will man mehr?

Wirtschaftsförderung durch Blockchaintechnologie – Chance für regionale Märkte

Während Tauschbörsen in der Regel private Initiativen sind, müssen Kommunen und Gemeinden ihre Wirtschaft am Leben und Laufen erhalten. In der Regel geschieht das durch günstige Rahmenbedingungen bei der Ansiedlung über Grundstückspreise oder geringe Steuerhebesätze. Damit hat es sich schon erledigt. Weitere Faktoren sind dann eher weiche Kriterien, oder Kriterien, die eine Kommune kaum zu verantworten hat. Keine Autobahn in der Nähe? Pech! Bundesstraßen im schlechten Zustand? Pech! Kreisstraßen im schlechten Zustand? Pech! Keine Bahnanbindung? Großes Pech! Weiche Faktoren sind dann von der Kreativität der Verwaltung oder der politischen Kaste abhängig. Leider ist es so, dass die meisten Konzepte sich darauf beschränken so viele Feste im Jahr zu feiern wir möglich. Alkohol, Alkohol, Alkohol. Das lockt Leute an. Es ist eher eine traurige Wirtschaftspolitik. Verkaufsoffene Sonntage bringen durchaus etwas, sind aber nicht ständig machbar. Also müssen wir mehr tun. Wir müssen die Förderung der lokalen Wirtschaft und besondere Angebote in den Alltag integrieren.

  1. Einer muss anfangen! In unserem Fall beginnen wir als Kommune einen eigenen Token (WAVES-Plattform) zu erfinden. Nennen wir ihn CityCoin. Das WIE habe ich hier beschrieben.
  2. Die Bürger und die Unternehmen können jetzt bei der Stadt oder der verantwortlichen Stelle gegen reale Euros den CityCoin 1 zu 1 eintauschen. Da wir im Gegensatz zu Tauschbörsen mit realen und nicht ideellen Preisen arbeiten und 100% an Euro gebunden sind, müssen wir unsere CityCoins mit realer Währung decken. Die Einzahlung durch die Nutzer erfolgt in Euro und verbleibt auf einem Konto. Dafür werden CityCoins in entsprechender Summe ausgegeben und auf das Wallet des Bürgers überweisen, inklusive eines einzigen WAVES für die Transaktionen. Nicht vergessen, mit einem WAVES sind 1.000 Transaktionen möglich. Das sollte reichen. Die Kommune muss dafür jedoch eine Summe, orientiert am möglichen Empfängerkreis bereits in WAVES investiert haben. Bei bspw. 40.000 Einwohnern sollte man einfach mal 5 WAVES pro Einwohner rechnen. Das wäre eine Investition von ca. 20.000 € beim jetzigen Europreis für einen WAVES. Die Investition ist sogar in der Lage wertvoller zu werden, wenn WAVES und CityCoins umfangreich genutzt werden. Statt die Euros auf einem Konto fest anzulegen, könnte der Herausgeber auch das Risiko eingehen direkt in WAVES zu investieren. Da noch viel Luft nach oben ist, ist ein Anstieg sehr wahrscheinlich.
  3. Unternehmen, die so weitsichtig sind die Chancen zu sehen, können jetzt entsprechend reagieren und den Bürgern (CityCoinNutzern) Angebote machen. Beispielswise 5, 10 oder x Prozente Rabatt, wenn in CityCoins bezahlt wird. Die Leute benötigen Anreize sich den CityCoin anzuschaffen. Es müssen aber so viele mitmachen wie möglich: Kneipen, ganz wichtig. Kinos. Imbisse, Frisörbuden, Supermärkte, kleine Geschäfte, auch Marktstände und auf Jahrmärkten gerne alle Aussteller. Auch die Kommune sollte bspw. die CityCoins als Zahlungsmittel akzeptieren. Das geht für Standgebühren, Strafzettel oder Steuern. Da der CityCoin 1 zu 1 Euro gedeckt ist, können selbst externe Bürger bzw. Unternehmer einsteigen. Die App ist kostenlos. Der Ausgeber oder eine Sparkasse tauscht um. Übrigens entfällt so auch das Wechselgeld für alle Teilnehmer. Vielleicht bietet es sich noch an mit dem dahinterstehenden Unternehmen Kontakt zu suchen, um die Weiterentwicklung und Verbesserung des Systems zu unterstützen und am Leben zu erhalten.
  4. Die Unternehmen können sich auch untereinander entsprechende Aufträge bezahlen. Freunde, Bekannte und Familienangehörige können sich untereinander aushelfen. Alles ist in der Blockchain festgehalten, so dass auch alle Geschäfte und bspw. Leihgaben vertraglich nachvollziehbar sind und, ja auch das, zur Not einklagbar sind.
  5. Wer seine CityCoins in reale Währung zurücktauschen will, kann das bei der ausgebenden Stelle. Vielleicht kann eine Sparkasse involviert werden. Wenn die Sparkasse eine kleine Gebühr nimmt (1 Euro) kann dort ebenfalls noch profitiert werden. Aber warum zurücktauschen, wenn man dafür günstiger Einkaufen kann?
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Wenn das Angebot für diese Zahlungsmöglichkeit stimmt, dann werden die Menschen es auch annehmen. Am Ende geht es Leuten wie uns darum Geld zu sparen und einen vereinfachten Alltag zu haben. Die Blockchaintechnologie hilft uns dabei. Der Vorteil ist in unserem Fall, dass das Geld der Bürger in der Region bleibt. Eine Stärkung des regionalen Marktes kommt allen Mitbürgern zu Gute. Missbrauch wird durch die Transparenz der Buchungen kaum möglich. Es müssen sich nur alle darüber im Klaren sein, dass es keine geheimen Transaktionen gibt. Das sollte aber in einem regionalen Markt, wo es um Alltagsgeschäfte geht, kein Problem darstellen.

Mit Hilfe von WAVES oder auch anderen Cryptowährungen können bspw. Regionalwährungen ersetzt, technisch hochgerüstet oder erst eingeführt werden. Der Verwaltungsaufwand ist mit Abstand geringer und die neuen Technologien sind den meisten Nutzern nicht mehr fremd. Illegal ist es zudem nicht. Wer sich Sorgen um die Anonymität der Nutzer untereinander macht, sollte bei der Umsetzung einer solchen Idee gleich auf ZCASH, MONERO oder DASH umsteigen, um die Teilnehmer zu verschleiern. Hier wäre aber mehr Mut notwendig, da alle Beteiligten sich dem Coinmarkt unterwerfen und ein großes Stück Kontrolle abgeben. Die CityCoin-Idee ist tragbar, günstig und schnell umzusetzen.

Wie wär es damit?

Im Beitrag Nr. 4 geht es um Anonymität mit Cryptowährungen. Anschließend gehe ich wieder auf einige Währungen ein: ZCASH, MONERO und DASH.

2 Kommentare Wirtschaftsförderung durch Blockchain-Technologie | (Cryptobeitrag 3)

  1. Alex

    Hallo,

    @Nico, da hast Du recht, ein schöner Vorschlag.
    Allerdings ist diese graue Theorie in Deutschland niemals umsetzbar. Zumindest wird es hier keine Vorreiter geben. In einem Land wie Finnland ist sowas eher vorstellbar. Die Menschen hier sind einfach soweit weg von all diesen Dingen., leider.

    @kowabit
    Vielen Dank für all diese informativen Beiträge. Bitte mehr davon.
    Mein Horizont hat bis vor ein paar Wochen nur bis BTC und Spekulation gereicht.

    MfG Alex

  2. Nico

    Schöner Vorschlag für eine Stadt oder Kommune. Hoffe doch, dass ich bald lese, dass Du das im Rat der Stadt beantragt hast? ;)

    Schade, dass Dinge wie Abmahnungen und DarkNet scheinbar mehr Interesse wecken. Ich finde das mal einen richtig guten Ansatz der nicht nur diskutiert werden sollte.

    Top, kowa, top.

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